Seymour Hersh am Sitz von Al Jazeera über Cheney, Obama und die Cliquen
Halbinselwahrheiten
Seymour Hersh am Sitz von Al Jazeera über Cheney, Obama und die Cliquen
Der Recherchier-Journalist der Edel-Zeitschrift The New Yorker, Seymour Hersh hielt am 17. Januar 2011 in Doha, Katar einen Vortrag im Rahmen der Georgetown Distinguished Lecturer Series (1) über US-Politik. Er zeigte sich der englischsprachigen Gulf Times zufolge enttäuscht über Obamas Fortsetzung der Bush-Politik in Nahost und Mittelasien.
Zahlreiche Vertreter der US-Streitkräfte seien anti-islamisch eingestellt und glaubten sich auf einer Art Kreuzzug. Folter in Afghanistan, Mordkommandos in Pakistan und die fortgesetzte Unterstützung eines israelischen Regimes mit zweifelhaften Absichten seien Probleme, derer sich Obama annehmen müßte. Hersh drückte seine Besorgnis über die Rechtsentwicklung in Israel aus und über den Unwillen der israelischen Regierung, sich mit der Fatah zu verständigen.
Die Ereignisse in Tunesien, so Hersh laut Gulf Times, hätten den Herrschern in der Region einen Höllenschrecken eingejagt. Sie herrschten, weil die USA sie stützten.
In einem Gespräch mit Gulf Times unterstrich Hersh die Bedeutung der in Doha, Katar stationierten Nachrichtenagentur Al Jazeera mit Fernseh- und Radiosendern in arabischer und englischer Sprache. Al Jazeera, auf Arabisch “die Halbinsel” (1), sei zu empfehlen, so Hersh.
Blake Hounshell gab sich in einem Blog-Eintrag von Foreign Policy empört über einzelne Ausführungen Hershs in Doha, ohne freilich auszuführen, warum. Die US-Außenpolitik, so Hersh laut Hounshell, sei mittels eines neokonservativen Komplotts in Richard Cheneys Büro gekapert worden. Die daran Beteiligten setzten nun unter Obama ihr Werk in “Special Operations” fort.General Stanley McChrystal, zuvor Leiter des United States Joint Special Operations Command (JSOC) und jetzt US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, sowie sein Nachfolger, Vize-Admiral William McRaven und viele andere im Joint Special Operations Command seien “Mitglieder oder zumindest Unterstützer der Ritter von Malta“, einer römisch-katholischen Glaubenskongregation. Davon wiederum seien viele
Nicht nur, daß die NeoCons [die Regierung] übernahmen, sondern wie leicht es ging – wie der Kongreß verschwand, wie die Presse Teil davon wurde, wie die Öffentlichkeit es duldete.
It’s not only that the neocons took [the government] over but how easily they did it — how Congress disappeared, how the press became part of it, how the public acquiesced.
Mitglieder des Opus Dei. Sie wissen, was sie tun – und das ist keine untypische Haltung mancher Militärs – es ist ein Kreuzzug, buchstäblich. Sie verstehen sich als Beschützer der Christen. Sie beschützen sie vor den Muslimen [wie vor denen] des 13. Jahrhunderts. Und das ist ihre Rolle.
Many of them are members of Opus Dei. They do see what they’re doing — and this is not an atypical attitude among some military — it’s a crusade, literally. They see themselves as the protectors of the Christians. They’re protecting them from the Muslims [as in] the 13th century. And this is their function.
Kommentar lesen:
http://balkanblog.org/2011/01/23/seymour-hersh-am-sitz-von-al-jazeera-uber-cheney-obama-und-die-cliquen/
Interessant wäre noch der Link auf "Foreign Policy", wo man Hershs Rede im Transkript nachlesen kann (geht über mehrere Seiten). Demnach hat er das wirklich so gesagt. Bin mir trotzdem nicht sicher, wie ernst ich das nehmen soll.Das mit den Malta-Rittern. -
AntwortenLöschenAl Jazeera heißt übrigens "Die Insel", womit aber auch die beiden Halbinseln (Arabien und Katar) gemeint sind.
http://www.foreignpolicy.com/articles/2011/01/22/transcript_the_obamabush_foreign_policies_why_cant_america_change?page=0,1
Danke für die Ergänzung.
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