Es ist ja nun nicht so, dass uns Nachrichten über die Verhältnisse in und um Israel herum vorenthalten würden. Eher das Gegenteil ist der Fall: heute klickt sich jeder, der nur will, bequem innerhalb von wenigen Augenblicken in die zahllosen, echten Videoaufnahmen, die den Schrecken sogar noch greifbarer und damit unbegreiflicher machen.
Vielleicht sind wir einfach nur zwischen den zahllosen News über immer neue Kriege, bewaffnete Auseinandersetzungen, regelrechte Aufstände nebst aller erdenklichen Naturkatastrophen (die uns auch in üppigen Videos nahegebracht werden!) irgendwie auch einfach nur abgestumpft. Wir müssen uns schon ziemlich erbärmlich und überlastet fühlen, wenn wir all diese Nachrichten gar nicht mehr in unsere Gefühlswelt vorlassen.
Ich glaube, dass uns diese "Bemnerkung" unterschiedslos alle trifft; mich selbstverständlich selbst allerdings inbegriffen.
Würde man sich wesentlich stärker engagieren, müsste man sich die Haare raufen und um Hilfe rufen:
(Quelle: http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-1382/i.html )
Viele Palästinenser hatten gehofft, dass Barack Obama nach seiner Wahl einen neuen Kurs in der Nahost-Politik einschlagen würde. Nach den ersten 18 Monaten seiner Amtszeit ist von dieser Hoffnung nicht viel geblieben.
Es sind nicht Obama und nicht Netanjahu selbst, die den Preis dafür bezahlen werden und der kann im Grunde nur in einem See aus Blut und Tränen enden.
Dabei ist die Faktenlage unwidersprochen vollkommen klar: In der Person Obama erklären die USA im Grunde recht offen, dass von der vertraglich vereinbarten und von der UN akzeptierten Erklärung abgewichen werden soll. Man will geräuschlos vertragsbrüchig werden.
Die UN-Charta zur Existenzgründung Israels bedingte die Schaffung eines unabhängigen Staates Palästina. Böse Mädels und Jungs spekulieren jetzt scharf: "Existiert Israel eigentlich aufgrund der Realität, dass kein Palästina existiert?" - Ööööööha.
Vom UN-vertraglich festgelegten Flächenvolumen, welches für Palästina vorgesehen war, stehen den Einwohnern nur Bruchteile wirklich zur Verfügung. Und dieser Bereich bleibt durch die israelische, absolute Hoheit über die Wasserverteilung zusätzlich ganz erheblich unfruchtbarer.
Man muss also den Bewohnern des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens einen hohen Leidensdruck angesichts dieser Umstände zugestehen. Selbst im Westjordanland versucht die israelische Wirtschaft, auch noch an den Palästinensern zu verdienen.
Eine gewisse, wenn auch leider viel zu kurze Zeit flammte durch Obama soetwas wie Hoffnung auf, dass sich daran vielleicht Ergreifendes verändern ließe. Doch Dann kam das Gaza-Massaker und mit dem Tod das Bewusstsein, dass die schrecklichen Phosphorgranaten aus US-amerikanischer Herstellung stammen. Man kann, denke ich, ganz gut verstehen, dass die Bevölkerung zuweilen sehr aufgebracht reagiert.
Aus dem fortgesetzten Siedlungsbau sowohl im Westjordanland als auch im Gaza-Streifen wird wieder ein langanhaltender, quälender Krieg mit Vernichtungsschlägen und recht hilflosen Raketenangriffen werden.
Und die Nachrichten über zerrissene Schulbusse und gesprengte Häuser - hüben wie drüben - flimmern beinahe täglich auch weiterhin durch die Nachrichten. Es wird viele, entsetzlich lange Jahre des Tötens und Sterbens nach sich ziehen.
Und nun wird auch noch bekannt, dass man sich anschickt, Ende September – nach Ablauf eines von den USA durchgesetzten zehnmonatigen Baustopps – wieder massiv Siedlungen im Westjordanland auszubauen.
Wir sehen es alle und könnens nicht mehr hören, wahrscheinlich hören und sehen wir irgendwie alle weg, sonst könnte man es nicht ertragen.
Ist diese Kultur des gzielten Wegschauens eigentlich die gleiche wie damals, als es allerdings allzuoft Nachbarn waren, die plötzlich wertlos wurden und plötzlich nachts abgeholt wurden?
Manchmal erwischt mich meine Frau, wenn ich wieder einmal grüblerisch versunken eine Doku über das Dritte Reich sehe. Ich will hinter das Geheimnis kommen, was aus einem Menschen plötzlich eine Ratte macht.
Und wie es dazu kommen kann, dass Millionen bewaffneter Ratten in schlammigen Gängen zwischen Explosionen hindurch auf andere zurobben um sich gegenseitig über den Haufen zu knallen.
Und vor allem: warum sich eine Ratte plötzich einer anderen überlegen fühlt? Und auch: wie mögen sie eigentlich damals gelebt haben mit dem Bild, wer die Nachbarn abholte und wie sie und aus welchem Grunde taten im Kopf? Weil es in ihrem Kopf umstrukturiert worden ist und es ihnen völlig normal und wünschenswert erschienen hatte? Und noch dazu: Merkt man das eigentlich nicht an sich selbst, wenn man zum Vieh wird?
Es wird eine Zweite Intifada geben, das steht für mich außer Frage. Und sie wird noch härter geführt werden weil die Bereitschaft äußerer Länder, NGO's und deren Regierungen zur klammheimlichen Unterstützung von Attentaten ungeheuer groß geworden ist.
Selbstverständlich weiß Obama das alles. Sicherlich sogar noch viel besser als ich.
Daher muss ein ungeheuer wichtiges Ereignis, dramatische Vorkommnisse irgendeiner Art dafür gesorgt haben, dass sich Obama gegen das Leben tausender und für jahrelange, blutige Qual entschieden hat.
Auch wenn ich persönlich nicht an eine "jüdische/zionistische Weltverschwörung" glaube muss ich eingestehen, dass mir jetzt viel schneller die Argumente dagegen ausgehen, wenn ich zum Thema diskutiere.
Das ist der nächste Punkt, über den es nachzudenken gilt: Sowohl Obama als auch Netanjahu treten durch ihre Aktionen dem Zuwachs dieses Verdachts nicht entgegen.
Aber all das macht uns nicht viel aus; wir schreiben die Kultur des Wegschauens fort, wie tragen sie weiter.
Man kann nicht jedem Land der Welt die volle Verantwortung für den Schrecken zuschreiben, aber den Ländern, die dem aktiv Vorschub leisten, hingegen schon - und da steht Deutschland nunmal an hoher Stelle. Wir, die wir dafür brav unsere Steuern hergeben, wir erhalten all diese Nachrichten, aber wir wollen sie eigentlich gar nicht haben. Wir sagen uns: aber wir zahlen doch! und gehen beruhigt mit dem Gedanken an das deutsche Wasserwerk im Gaza-Streifen zu Bett.
Na also. Wir machen ja.
Wenn die nächsten Bombenserien in Gaza oder Tel Aviv hochgehen, dann erschrecken wir uns ganz, ganz kurz, bevor wir denken: "Wir machen ja." und uns dann wieder wirklich wichtigen Fragen zuwenden wie: Chips oder Schokolade oder die nach dem Zustandekommen des WM-Verlusts.
"Okay, lasst uns reden. Sprechen wir miteinander", sagte Abbas erst kürzlich vor dem Washingtoner "Brookings-Institute": "Wir sagen 'die Grenze von 1967': Die ganze Welt spricht davon - aber mit einigen Korrekturen und dem Austausch von Boden hier und da. Okay: Wir sind einverstanden. Sicherheit? Wir werden euch Garantien geben. Für zehn Jahre oder zwanzig oder was immer ihr wollt. Um den Israelis das Gefühl der Sicherheit innerhalb ihrer Grenzen zu geben. Was soll ich denn noch tun?""
.... Das hat Mahmud Abbas, der palästinensische Ministerpräsident gesagt. Das hat den Geschmack eines gekniet und gestammelten: Bitte! Bitte! Ich tu auch alles, was du willst!" Aber natürlich muss und wird diese Botschaft in der Welt ungehört verhallen.
In Jerusalem geht man auf solche Dinge nicht ein. Im Gegenteil: Außenminister Avigdor Lieberman, ein Vertreter des harten Rechtskurses, erklärte vor einigen Tagen dem besuchenden russischen Außenminister, Sergei Lawrow, dass es vor Ende 2011 sicher keinen palästinensischen Staat geben würde.
Bei Lieberman darf angenommen werden, dass er jetzt schon nach Mitteln und Wegen sucht, auch diesen Termin verstreichen zu lassen, ohne dass sich etwas ändert. Und das mit stillschweigender Duldung durch Washington und andere westliche Staaten.
Was eigentlich, frage ich mich immer, müssten denn eigentlich die Israelis tun, damit es zu wirksamen Eingreifmaßnahmen seitens einer UN zu käme? Müssten sie Palästinenser öffentlich massenhaft erschießen? Ist es das? Müsste erst DIESER Punkt erreicht werden, bevor die Weltgemeinschaft effizient einschreitet?
Da müsste man sich fragen, warum die Bilder derer noch nicht ausgereicht haben, die vom Phosphor verbrannten.
"Aber wir machen doch."
Erstaunlich finde ich oft die aufkeimende Wut in denen, die diesen Satz sagen denn sie scheinen dabei überaus unangenehm die Empfindung zu haben, dass sie vor sich selbst mit diesem Satz eigentlich nicht besthen könnten.
Aber noch viel erstaunlicher finde ich die, die recht verzweifelt und angestrengt an das glauben wollen, was ihnen als mediales Sedativum jeden Tag auf die richtige Stelle auf der Seele eingerieben wird. Der Schrecken muss für sie die Balance haben, deshalb haben "die das" wohl auch irgendwie verdient.
Außerdem: man macht ja.
Die Gräber, die werden von anderen gemacht oder wahlweise auch gar nicht. Mit dem Ergebnis des Zerfalls- und Verwesungsprozesses Unbestatteter zeigen sich zuweilen rein gebleichte Schädel, die machen sich geil im Schrank eines durchgeknallten Grufties oder beim angedeuteten Oralverkehr von bundesdeutschen Soldaten, welchen diese Aktiion tatsächlich zuzuschreiben ist.
Ähem.
Man macht ja.