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From Peter with love
Kritischer, unabhängiger Journalismus, äh, par excellence:Die Dauerläuferin
Meine vier Monate mit Angela Merkel
Selten habe ich so viel Zeit mit einem Menschen zugebracht wie in den letzten vier Monaten mit der Bundeskanzlerin. Große und kleine Termine, internationale Gipfel, eine Reise nach Afghanistan, aber auch ein Samstagmorgen bei der Eröffnung einer Kunstausstellung in Leipzig - das Auge war, durch den Sucher meines Kameramanns Jan Kerhart, bei mehr als einem Dutzend Gelegenheiten im In- und Ausland auf Angela Merkel gerichtet.
Was habe ich gesehen? Zuerst: eine Frau, die jede Situation bewältigt, sich in all dieser Zeit keinen Fehler erlaubt und eine erstaunliche Kondition hat.
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Es ist nicht nur das Kanzleramt, das alles überstrahlt. Es ist auch die Art und Weise, wie sie es ausübt: Angela Merkel - zäh, geschmeidig, eine Dauerläuferin der Macht.
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Außerdem hat Merkel, gerade in der Finanz- und Wirtschaftskrise, ihre Paraderolle gelernt. Zwar hielt sie keine ‘Blut-Schweiß-und-Tränen’-Rede, schaffte nicht einmal Begriffe, die sich einprägten. Trotzdem gelang es ihr, sich als Erklär-Kanzlerin zu positionieren, um Vertrauen zu werben.
Im Grunde nutzt sie ein uraltes Klischee und bietet sich als Frau an, an die man sich anlehnen kann. Es heißt, dass Krisen Staatsmänner respektive -frauen hervorbringen. Merkel wäre dieses Etikett wahrscheinlich selbst zu pompös. Sie ist nicht brillant, aber verlässlich.
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Längst ist sie eine Medienkanzlerin wie Schröder, wahrscheinlich effektiver, weil sie dessen Unbeherrschtheiten vermeidet. Still kann manchmal mehr erreichen als laut.
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Im vertraulichen Hintergrundkreis mit Journalisten im Besprechungsraum des Airbus oder anderswo ist sie auf ihrem Terrain - da bleibt sie keine Antwort schuldig und mag die Frage noch so einfältig gewesen sein. Unvergessen der Hintergrund mit Journalisten am zweiten Gipfeltag in L’Aquila, nachts um 23 Uhr - und wir hatten noch eine zweistündige Busfahrt in unser Quartier vor uns.
Sie redete sich begeistert in die Details der Klimadiskussion, sprach von Photosynthese und der Verklappung von Kohlendioxid unter der Erde. Die Journalisten waren müde, manch einer verstand nicht, wovon überhaupt die Rede war. Aber natürlich fand sich immer noch jemand mit einer neuen Frage. Um Mitternacht bemerkt die Kanzlerin unschuldig, wir hätten ja noch eine längere Fahrt vor uns. ‘Na dann, husch, husch’ - Mutti lässt grüßen. Aber da war soviel Witz und Begeisterung am eigenen Job, dass man ihr nicht übelnehmen konnte, was sie uns abverlangt hatte.
Von wem diese liebevolle Hommage an die Kanzlerin stammt? Der Mann heißt Peter Frey und wird ab 1. April 2010 Nachfolger von Nikolaus Brender auf dem Stuhl des ZDF-Chefredakteurs. Ein weiteres Beispiel für Freys Journalismusverständnis: Sein Sommerinterview mit Linken-Chef Oscar Lafontaine vor der Bundestagswahl. Der Remix stammt zwar nicht von mir, verdeutlicht aber nachdrücklich, was von Peter Frey zu erwarten ist:
Unfassbar. Genauso unfassbar wie die Tatsache, dass Frey vom Verwaltungsrat des Zweiten ohne eine einzige Gegenstimme bestätigt wurde - soviel dann auch zum Rückgrat jener Gremiumsmitglieder, die vor kurzem noch Brenders Vertrag verlängern wollten.
• Wikipedia-Eintrag von Peter Frey
• Die NachDenkSeiten über Peter Frey (10. Dezember 2009)
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