»Der Gipfel war eine Show«
E10 dient einzig dazu, Daimler und Co. vor teuren Investitionen in Klimaschutz zu bewahren. Ein Gespräch mit Michael Müller
Interview: Johannes SchultenMichael Müller ist Bundesvorsitzender der Naturfreunde Deutschlands und ehemaliger parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium
Am Dienstag abend ist der »Benzingipfel« zu Ende gegangen, der Treibstoff E10 wird weiterverkauft. Sie haben bereits im Vorfeld erklärt, der Gipfel diene nicht dem Klimaschutz, sondern nur dazu, der Automobilindustrie teure technische Neuerungen zu ersparen. Was meinen Sie damit?Die deutschen Autobauer haben über Jahrzehnte die ökologischen Herausforderungen verdrängt. Die Effizienzgewinne, die bei der Konstruktion von Motoren erzielt wurden, wurden durch höhere PS-Zahlen und immer schwerere Autos überkompensiert. Das ist antiquiert, das ist letztes Jahrhundert. Als die EU-Kommission Mitte des vergangenen Jahrzehnts den Druck erhöhte und Anstalten machte, die Kohlendioxidemission zu beschränken, hat die Industrie eine Doppelstrategie entwickelt. Zum einen sollte die Bundesregierung in Brüssel aktiv werden, um die Grenzwerte für CO2 zu entschärfen. Das ist auch teilweise gelungen, statt der geplanten 120 Gramm CO2 auf den Kilometer sieht die EU-Richtlinie von 2007 eine Begrenzung des Neuwagenverbrauchs auf 130 Gramm Kohlendioxid vor. Zum anderen wurde die Verordnung durchlöchert, indem man die Einbeziehung einer Beimischung durchgesetzt hat. Das war von der Kommission nicht vorgesehen. Die E-10-Strategie ist das Ergebnis dieses Deals.
Mehr erfahren:
http://www.jungewelt.de/2011/03-10/056.php

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen