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Menschenrecht als Grundlage

Die Arbeit an diesem Blog bezieht sich auf menschenrechtliche Grundlagen.

-Art. 5 Abs. 1 S. 1 Grundgesetz (Meinungsfreiheit)
-Art. 5 Abs. 1 S. 2 Grundgesetz (Informationsfreiheit)
-Art. 5 Abs. 1 S. 3 Grundgesetz (Pressefreiheit)
-Art. 5 Abs. 1 S. 4 Grundgesetz (Zensurverbot)
-Art. 19 Allgem. Erkl. der Menschenrechte sowie Art. 19 Uno-Zivilpakt (Meinungs- und Informationsfreiheit auch Staatsgrenzen überschreitend)
-Art. 1 von Uno-Resolution 53/144 (schützt das Recht, sich für die Menschenrechte zu engagieren)

Trotzdem sehe ich mich dazu gezwungen, gewisse Kommentare zu überprüfen, und gegebenenfalls nicht zu veröffentlichen. Es sind dies jene, die sich in rassistischer Weise gegen andere Menschen richten - gewalttätige Inhalte enthalten - Beschimpfungen, etc. Derlei Inhalte kann ich nicht damit vereinbaren, dass sich dieses blog für Menschenrechte einsetzt - und zwar ausnahmslos für alle Menschen.

Mein Blog ist ab 18 Jahren, denn ab da kann man voraussetzen, dass der Mensch denkt...

...und ausserdem nicht mehr mit den Umtrieben der Ministerin von der Leyen gegen Websiten in Schwierigkeiten kommt, wenn er einen blog lesen will.

Im Übrigen gilt Folgendes für die verlinkten Seiten:

Hinweis:
Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass durch die Ausbringung eines Links die Inhalte der gelinkten Seite gegebenenfalls mit zu verantworten sind. Dieses kann – laut Landgerichtsurteil – nur dadurch verhindert werden, dass man sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert.

So bleibt hier vorsorglich festzustellen, dass wir weder Einfluss auf die Gestaltung noch auf den Inhalt dieser gelinkten Seiten haben und uns auch nicht dafür verantwortlich zeichnen. Dies gilt für ALLE auf dieser Seite vorhandenen Links.



Samstag, 2. Oktober 2010

Mappus und Co. werden auch in Österreich wahrgenommen

http://www.ceiberweiber.at/index.php?type=review&area=1&p=articles&id=1743



Die Staatsmacht und Stuttgart 21  

(1.10.2010) Die Fernsehbilder aus Deutschland machen fassungslos, auch die Postings bei Twitter (unter dem Tag #s21) und die Webcams der alternativen Öffentlichkeit. Ein Milliardenprojekt, das nach Berichten - und zwar nicht der GegnerInnen, sondern von Financial Times Deutschland, stern oder Spiegel - absolut sinnlos ist, soll mit aller Härte und Staatsmacht durchgezogen werden. Stuttgart hat einen Kopfbahnhof, der zum Symbol der Gegner des Umbaus wurde, und der den Bedürfnissen der öffentlich Reisenden, auch der am Bahnhof Einkaufenden vollauf genügt.

Der stern schrieb zu Suttgart 21 etwa: "Geheime Akten, die dem stern vorliegen, zeigen, dass das umstrittene Riesenprojekt der Bahn außer Kontrolle ist. Sogar die Cousine der Kanzlerin protestiert - und will sich notfalls an Bäume ketten." Denn: "Züge brauchen Strom, Züge brauchen Signalanlagen, ohne die können sie nicht fahren. Bei dem Bahnprojekt Stuttgart 21 ist das in den Planungen jedoch nicht vorgesehen. Das zeigen interne, vertrauliche Dokumente, aktuelle Projektanalysen und -berichte von Deutschlands umstrittenstem Bauprojekt, die dem stern vorliegen. Danach herrschen bei den Planern Chaos und Panik. In Briefen an die DB Projektbau AG wird 'das Risikopotenzial' beklagt, weil 'rohbaurelavante Angaben' für die vorgesehenen Tunnelarbeiten fehlen. Intern sieht man das 'Gesamtprojekt auf kritischem Weg'.

Insgesamt sind für S21 Tunnelröhren von mehr als 60 Kilometer Länge in Stuttgart geplant. Da der Untergrund in der baden-württembergischen Landeshauptstadt sehr tückisch ist, werden die Tunnel von den üblichen 'Regelprofilen' abweichen: Sie werden kleiner und enger, sie haben einen reduzierten Radius von nur 4,05 Metern - zu schmal für die übliche bahntechnische Ausrüstung. Und so wird in Stuttgart mit dem modernen europäischen Signalsystem, dem European Train Control System (ETCS), für Hochgeschwindigkeitszüge geplant. Der Vorteil: Man braucht keine klobigen Masten, in den Gleisen liegen winzige Kästchen, sogenannte Balisen.

Über Funk werden die Loks gesteuert. Allerdings: In Deutschland gibt es keinen Zug, der mit dem ETCS-System fährt. In Stuttgart wird also ein Verkehrsknoten geplant, der auch in Zukunft für die meisten Züge unerreichbar sein wird, denn: Die Aufrüstung der Züge mit ETCS ist extrem teuer, sie kostet pro Lok gut 300.000 Euro. S-Bahnen, Nahverkehrs- und Regionalzüge, die S21 anfahren sollen, werden damit in den kommenden Jahrzehnten kaum ausgestattet werden.....Die Tunnel in Stuttgart werden mit üblichen Signalsystemen nachgerüstet werden müssen - das wird Zeit und viel Geld kosten.

Ständig ist in den Projektanalysen die Rede von 'Handlungsbedarf', 'Mehrkosten', 'erhöhten Kosten', 'Kostenrisiken'. So ist aus den Dokumenten ersichtlich, dass die offiziellen Kosten von S21 in Höhe von 4,088 Milliarden nach oben korrigiert werden müssen. In einer Analyse vor einigen Wochen heißt es lapidar, dass die vom Bauherrn gewünschte 'Kosteneinsparung nicht in vollem Umfang erzielt werden' kann." All dies ficht aber jene nicht an, die S21 um jeden Preis durchziehen wollen. Sie verwenden auch das Vorliegen zahlreicher von ihnen (und nicht von den GegnerInnen) in Auftrag gegebener Gutachten gegen Menschen, die das Bahnhofsprojekt bekämpfen, eben weil die Resultate gegen das Projekt sprechen.

Da ist es schon mehr als unfair, sich auf solch offizielle Quellen zu berufen - ebenso, wie man SchülerInnen nicht einfach an einer von ihnen selbst angemeldeten Kundgebung am 30.9.2010 im Schloßpark beim Bahnhof teilnehmen lassen darf. Denn das ist, so die Verteidiger des brutalen Polizeieinsatzes mit Wasserwerfern, Tränengas, Schlagstöcken, Reitern und vielen Verletzten, der Einsatz von Kindern, um Erwachsene vor der Polizei zu schützen. Damit bringt die konservative Landesregierung von Baden-Württemberg aber erst recht die Menschen gegen sich auf, ebenso wie mit der dann widerrufenen Behauptung, es seien Steine auf die PolizistInnen geworfen worden. Die DemonstrantInnen harrten aus, um 300 Bäume vor der Schlägerung zu retten, und riefen "Wir sind friedlich - seid ihr es auch?!".

Zu den BahnhofgegnerInnen gehören auch Umweltschutzorganisationen wie der BUND, der am 30. September nach der Eskalation im Schloßpark per Aussendungen verkündete, rechtliche Schritte zum Schutz der Bäume eingeleitet zu haben: "Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat heute beim Verwaltungsgericht Stuttgart eine einstweilige Anordnung gegenüber dem Land Baden-Württemberg beantragt. 'Mit diesem rechtlichen Schritt wollen wir die Landesregierung verpflichten, gegenüber der Deutschen Bahn anzuordnen, alle Abriss- und Baumfällarbeiten am Stuttgarter Hauptbahnhof und im Schlossgarten mit sofortiger Wirkung zu stoppen', erläutert BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender. Dieser Baustopp müsse solange gelten, bis in einem ergänzenden Planfeststellungsverfahren oder im Wege der Planergänzung die vom BUND gegenüber dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) geltend gemachten artenschutzrechtlichen Verstöße in Bezug auf streng geschützte Tierarten, z.B. Fledermäuse ausgeräumt werden.

'Mit unserer einstweiligen Anordnung ziehen wir die Notbremse gegenüber der Untätigkeit und Mutlosigkeit des für die Durchsetzung des Artenschutzes bei der Bahn zuständigen Eisenbahn-Bundesamtes', erklärt Dahlbender. In den letzten Wochen habe der BUND nachgewiesen, dass im Zuge der Abrissarbeiten und Baumfällungen zu Stuttgart 21 das Artenschutzrecht krass missachtet wird. Insbesondere streng geschützte Fledermausarten und möglicherweise der Juchtenkäfer seien unmittelbar gefährdet. 'Wir konnten gemeinsam mit externen Experten belegen, dass die bisher von der Bahn durchgeführten Untersuchungen völlig unzureichend sind und das EBA zum Eingreifen gegenüber der Bahn verpflichtet gewesen wäre', so Dahlbender: 'Doch statt energisch durchzugreifen und die gesetzlich gebotenen artenschutzrechtlichen Untersuchungen zu veranlassen, werden durch die beginnenden Baumfällungen irreversible Tatsachen geschaffen.' Das sei für den BUND nicht akzeptabel. 'Wir wollen mit unserer einstweiligen Anordnung Zeit zum Innehalten gewinnen, eine sachliche Klärung herbeiführen und den durch die Bauarbeiten bedrohten Arten die gesetzlich gebotenen Schutzmaßnahmen zukommen lassen. Es ist bedauerlich, dass die Projektträger die Augen vor diesen Aufgaben verschließen und mit brachialer Gewalt Fakten schaffen wollen', so Dahlbender abschließend."

Das Bündnis gegen Stuttgart 21 wiederum verweist darauf, dass keineswegs "BerufsdemonstrantInnen auf die Straße gehen und im Schloßpark campierten, sondern "ehrbare BürgerInnen aus allen Schichten und allen Altersgruppen". Und: "Der Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Pfefferspray ist durch nichts zu rechtfertigen, da die Demo-TeilnehmerInnen sich alle friedlich verhalten haben. Die Konsequenz von Hunderten von Verletzten, insbesondere SchülerInnen, ist ein Skandal, den Ministerpräsident Mappus zu verantworten hat und der Baden-Württemberg in ganz Europa einen enormen Imageschaden bescheren wird," sagt Axel Wieland (BUND-Regionalvertreter und vor Ort). Er meint:  "Diesen brachialen und mit äußerster Gewalt ausgeführten Angriff auf die BürgerInnen wird das Projekt Stuttgart 21 politisch nicht überleben."


Am Tag danach, dem 1. Oktober 2010 gab es Demonstrationen in mehreren deutschen Städten, vorzugsweise vor den Bahnhöfen, und in Stuttgart selbst versammelten sich am Abend 100.000 Menschen, was die bisher größte Demo von 70.000 Personen übertraf. Es gibt auch Aufrufe, jeden Tag um 19 Uhr eine Minute lang Krach zu machen, egal wo man sich gerade befindet. Dies rennt unter dem Motto "Schwabenstreich", doch so einer kann auch eine Demo gemeinsam mit anderen sein. Es kommt den GegnerInnen von Stuttgart 21 darauf an zu signalisieren, dass man überall etwas tun kann, nicht zu Kundgebungen nach Stuttgart fahren muss. Auch im Internet passiert viel beziehungsweise ist es integraler Bestandteil von Kommunikation und Widerstand.

Der "Stuttgarter Appell", den jede/r online unterzeichnen kann, drückt aus, dass es um weit mehr geht als darum, ein Baudenkmal zu schützen und Bäume zu retten: "Sicher bedeutet das Projekt Stuttgart 21 im Falle der Realisierung keineswegs den Untergang des Abendlands. Doch die politische Legitimierung des Projekts, die auf politischen Mehrheitsentscheidungen der Vergangenheit beruht, ist durch die zwischenzeitlich veränderten Begleitumstände mehr als fragwürdig geworden. Darauf zu beharren und schlicht eine Unumkehrbarkeit des Projekts aufgrund von Kosten zu proklamieren und unumkehrbare Fakten mit der Abrissbirne zu schaffen, zeugen in dieser Situation von wenig politischer Vernunft.

Es geht in dieser Konfrontation schon längst nicht mehr nur um das Für und Wider des Bahnhofprojekts. Es stehen demokratische Traditionen auf dem Spiel, der gegenseitige Respekt und das Vertrauen in ausschließlich dem Gemeinwohl verpflichtete demokratische Institutionen. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Stuttgarter Appells fordern daher die demokratischen Parteien im Stuttgarter Gemeinderat und im Landtag von Baden-Württemberg auf, sich zu besinnen und alles zu unternehmen, um einen demokratischen Konsens in dieser Konfrontation zu finden."

Manche BerichterstatterInnen wundern sich darüber noch, die durch ihr eigenes Verhalten ins Eck gedrängten konservativen PolitikerInnen versuchen noch, es zu ignorieren, aber das übliche "Spiel" um angeblich gewaltbereite autonome und linksradikale DemonstrantInnen geht hier ins Leere. Es sind die PensionistInnen, die sich engagieren, es sind UnternehmerInnen und LehrerInnen, und es sind Jugendliche. Es sind Menschen, die zu jener Mehrheit in Stuttgart gehörden, die das umstrittene Bahnhofsprojekt nicht wollen und die verzweifeln an einer Politik, die Fehler nicht korrigiert, sondern stur fortschreibt und damit auch jeden Tag größer macht. Bekanntermaßen werden Baukosten meistens zu gering angesetzt, zum einen, um ein Projekt durchzubringen, zum anderen, weil sie über die Jahre ja tatsächlich zunehmen können (oder aber weil Geld irgendwo versickert).

Hier aber haben die Betonschädel, die S21 unbedingt wollen, weil sie ihr persönliches (Karriere-) Schicksal damit verknüpft haben, den fatalen Fehler begangen, alle gegen sich aufzubringen. Eine entfesselt wirkende Polizei, deren Angehörige Kindern Reizgas in die Augen sprühen, entsetzt alle wegen der absoluten Unverhältnismäßigkeit. Gut geschützte Polizisten, die mit Spraydosen in der Hand auf wehrlose Menschen losgehen, die dann vor Schmerzen weinen (wie auch viele fassungslos weinen, weil sie die Brutalität gegen friedliche BürgerInnen nicht verkraften) - mehr braucht das politische Establishment nicht, um jede Legitimation zu verlieren.

Es ist kein Wunder, dass der Aufruf "Wir treten zurück", eine von BürgerInnen formulierte Rücktrittserklärung der deutschen Bundesregierung, auch im Zuge der Ereignisse von Stuttgart Zuspruch findet. Denn Fehlplanung und Überforderung kennzeichnen auch Entscheidungen, die die BürgerInnen teuer zu stehen können und die das System zementieren, in dem die Finanzkrise möglich war. BürgerInnen müssen selbst immer flexibler sein, eigenständig unter sich ständig ändernden Rahmenbedingungen aktiv sein. Jene, die dabei nicht unter die Räder kommen, erproben sich oft erfolgreich und sind nicht bereit, sich von der Politik wie vor vielen Jahren behandeln zu lassen. Sie fordern Dialog auf Augenhöhe, sie wollen nachvollziehbare, sachlich begründete Entscheidungen.

Die Politik (und die mit ihr vernetzten Spitzen beispielsweise der Wirtschaft) agiert aber noch wie in der Zeit fester und kaum veränderbarer Hierarchien, als diese Ordnung den Menschen aber auch noch Sicherheiten geben konnte. Es wurde in gewisser Weise für sie gesorgt, dafür gaben sie Macht nach oben ab. Heute ist die Macht nach wie vor oben, hat aber jedes Maß bei ihren Entscheidungen verloren. Da wird etwa den "Hartzlingen" weniger an zusätzlichem Geld zugestanden, als für die Tagesverpflegung von Polizeihunden ausgegeben wird (und wer Hartz IV auf Tage umrechnet, wäre auch lieber Polizeihund). Es reicht, dass wenige verantwortungslos agieren, sich von angeblichen Experten etwas einreden lassen, gierig sind auf Reichtum, um ein Land in den Ruin zu treiben.

Das hat Island gezeigt (wo die Regierung zu Recht abgewählt wurde), man sieht es aber gerade auch in Irland (wo durch die Immobliienblase Geistersiedlungen geschaffen wurden, für die die Allgemeinheit aufkommen muss). Dass die Macht der Politik begrenzt ist, zeigt das Beispiel von Cleveland in Ohio, denn die Stadt konnte die Wall Street Banken nicht klagen, die viele BewohnerInnen obdachlos machten. Deutsche Medien sehen für die Konservativen nicht nur die Landtagswahlen in Baden-Würrttemberg nächstes Frühjahr gefährdet, sondern meinen, es werde auch für Kanzlerin Angela Merkel unangenehm.

Was der stern schreibt, kann man wohl verallgemeinern: Als 'robust und angemessen' bezeichnet die Polizei ihr Vorgehen. Es muss wie Hohn in den Ohren der Demonstranten klingen. Denn nach allem, was bisher bekannt ist, haben sie lediglich Zufahrtswege blockiert, die Beamten aber beherzt zu Schlagstock und Wasserwerfer gegriffen. Es wird letztlich nicht mehr festzustellen sein, wer tatsächlich die Hand zum ersten Hieb erhoben hat. Aber es ist auch unerheblich: Denn in Stuttgart waren ganz offensichtlich keine professionellen Krawallmacher unterwegs, wie sie sich vielleicht in Hamburg oder Berlin tümmeln, sondern lediglich das ganz normale Volk.

Dagegen mit hochgerüsteten Hundertschaften ins Feld zu ziehen, ist nichts anderes als eine Kriegserklärung an die Bahnhofsgegner - und damit an die Mitte des Volkes. Auf speziell diese Protestbewegung einprügeln zu lassen, wird der Landesregierung die letzten Sympathien kosten. Nicht nur wegen der überzogenen Aktion an sich, sondern auch, weil nun der endgültige Beweis erbracht wurde, dass diese Landesregierung nicht einmal willens ist, den Konflikt in der eigenen Bevölkerung in irgendeiner Form zu lösen. Und ihr die Bedenken eines erheblichen Teils der Bevölkerung schlicht egal ist. Das ist genau das Gegenteil dessen, was man als Bürger von seiner Regierung erwartet und wofür man sie gewählt hat."

Infos:
Cams21 (Webcams aus dem Schloßgarten)
Gießener Zeitung
Politblogger
Mappus auf Facebook
Financial Times Deutschland (Hartz IV vergiftet Europa)
Financial Times Deutschland (Schwarz-Gelb versagt nun auch beim Rechnen)
Financial Times Deutschland (Keiner traut sich, S21 zu stoppen)
Wir treten zurück
Artikel im Spiegel
Parkschützer (Stuttgart)
Kommentar bei Mein Herz schlägt links
Kampagne zu S21 bei Campact
Stellungnahme der Grünen
Artikel des Spiegel
Kopfbahnhof (Plattform der GegnerInnen)
Hauptbahnhof Stuttgart (Architektur und Geschichte)
Irlands Ghost Estates
Cleveland gegen die Wall Street

****
Alexandra Bader
alexandra.bader@chello.at
alexandra@ceiberweiber.at
(bitte alle Inputs, Anregungen, Infos, Feedback an eine dieser Adressen)
 

Einheitsfeier --- die früheren Staatsmänner Michail Gorbatschow, George Bush und Helmut Kohl im Journalistenclub der Axel Springer AG




Historischer Abend mit Kohl, Bush, Gorbatschow

Nach dem Festakt zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin trafen sich die früheren Staatsmänner Michail Gorbatschow, George Bush und Helmut Kohl noch im Journalistenclub der Axel Springer AG. Im Beisein von hundert geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft war es ein "historischer Abend".

Mehr lesen:
http://www.welt.de/politik/article5041490/Historischer-Abend-mit-Kohl-Bush-Gorbatschow.html

und hier:

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article10013906/Deutschland-wird-von-Helmut-Kohl-noch-hoeren.html

Für die weltgewandte CDU (Comicplakat)




http://politik.politik-web.de/2010/10/polizeistaat.html


Polizeistaat

Parlamentsrede zum aktuellen Thema
Regierende Volksvertreter haben vollstes Verständnis für den brutalen Angriff vermummter Gewalttäter auf friedliche Demonstranten in Stuttgart.
Dr. Dagmar Enkelmann (DIE LINKE):

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Die Fraktion Die Linke wird dem Aufsetzungsantrag, also dem Antrag auf Änderung der Tagesordnung, zustimmen.

(Volker Kauder (CDU/CSU): Große Überraschung!)

Wer die Bilder aus Stuttgart gesehen hat, den darf das nicht kaltlassen.

(Beifall bei der LINKEN, der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

   Herr Kollege van Essen, wir beide mögen uns sehr;

(Zurufe aus dem ganzen Haus: Oh!)

aber das, was Sie hier vorgetragen haben, war mehr als peinlich. Es gehörte nicht in diese Debatte.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD - Volker Kauder (CDU/CSU): Das entscheiden Sie noch lange nicht, was hier gesagt wird!)

   Wir sind der Auffassung: Wir dürfen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

(Volker Kauder (CDU/CSU): Wir sind nicht in der DDR! Jetzt hört es aber auf! Die Zeiten, wo Sie bestimmten, was im Parlament diskutiert wird, sind endgültig vorbei!)

- Ich stehe am Mikro, Herr Kauder; insofern kann ich lauter reden als Sie. -

(Beifall bei der LINKEN)

Seit Wochen demonstrieren in Stuttgart friedlich viele Tausende Menschen. Da sind Demonstrationserfahrene, aber auch viele Demonstrationsneulinge dabei, auch viele CDU-Wählerinnen und -Wähler. Das dürfen Sie nicht vergessen.

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Diese Demonstranten nehmen ihr Recht auf Demonstration wahr. Das geschieht nicht im rechtsfreien Raum.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

   Das gilt im Übrigen auch für die Schülerinnen und Schüler, die dort gestern eine genehmigte Veranstaltung durchgeführt haben.

(Zuruf von der LINKEN: Hört! Hört!)

Ich weiß nicht, meine Damen und Herren, ob Sie das Entsetzen und die Tränen in den Augen der Schülerin gesehen haben, die gestern auf allen Sendern zu sehen war. Was lernen eigentlich Schülerinnen und Schüler an einem solchen Tag?

(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN, der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Lernen sie Demokratie? Lernen Sie freie Meinungsbildung? Was lernen sie über die Institutionen dieses Staates?

(Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof) (CDU/CSU): Sind wir in der Zone?)

Was lernen sie, wenn plötzlich Wasserwerfer auffahren, wenn Pfefferspray eingesetzt wird?

(Dr. Hans-Peter Friedrich (Hof) (CDU/CSU): Sie lernen, dass man sich an Recht und Gesetz zu halten hat, Frau Enkelmann!)

Wenn Schülerinnen und Schüler so etwas erfahren, sollen sie Vertrauen in die Institutionen des Staates gewinnen? Das können Sie vergessen.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

   Hier geht es nicht um Wahlkampf. Hier geht es um Demokratie.

(Dr. Michael Fuchs (CDU/CSU): Das können Sie uns nicht beibringen!)

Ich sage Ihnen eines: Demokratie heißt auch, dass man Entscheidungen, die man einmal getroffen hat, gegebenenfalls überprüft. Deswegen fordert die Linke an dieser Stelle einen Baustopp für Stuttgart 21.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

   Der Bundestag ist sehr wohl involviert. Deshalb gehört dieses Thema heute auf die Tagesordnung. Er war beteiligt bei der Entscheidung zu Stuttgart 21, und es sind Bundespolizisten im Einsatz gewesen.

(Jörg van Essen (FDP): Aber nicht an der Einsatzleitung!)

Damit ist das auch Sache dieses Bundestages. Damit müssen wir uns beschäftigen.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Wir müssen heute und hier in einer öffentlichen Debatte über dieses Thema reden und Rede und Antwort stehen. Ich denke, das sind wir denen schuldig, die in Stuttgart brutal bedroht und verletzt worden sind. Die Bilder haben Sie alle gesehen.

   Der Linken ist das Thema so wichtig, dass wir bereit sind, den von uns beantragten Tagesordnungspunkt zurückzuziehen, wenn stattdessen eine Debatte zu den gestrigen Vorgängen in Stuttgart durchgeführt wird.

(Beifall bei der LINKEN und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Vizepräsident Dr. Hermann Otto Solms:

Wir stimmen jetzt über den Geschäftsordnungsantrag ab. Wer für den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stimmt, den bitte ich um das Handzeichen. - Wer stimmt dagegen? - Enthaltungen? - Der Antrag hat nicht die erforderliche Mehrheit gefunden. Gefordert gewesen wäre eine Zweidrittelmehrheit, die, wie ich glaube, unzweifelhaft nicht erreicht wurde. Damit ist der Antrag abgelehnt.

   Ich rufe die Tagesordnungspunkte 25 a bis 25 f sowie die Zusatzpunkte 8 bis 12 auf:

(Quelle: www.bundestag.de/bic/plenarprotokolle/, 01. Oktober 2010) Polizeistaat   


 
 

Stellungnahme von Ministerpräsident Stefan Mappus zu den gestrigen Geschehnissen im Stuttgarter Schlossgarten

1. Oktober 2010 | Themenbereich: Aktuell, Baden-Württemberg | Drucken
Ministerpräsident Stefan Mappus hat in der Villa Reitzenstein gemeinsam mit Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner, Minister Helmut Rau und Innenminister Heribert Rech folgende Stellungnahme zu den aktuellen Entwicklungen um Stuttgart 21 abgegeben:
“Wir alle stehen unter dem Eindruck der gestrigen Geschehnisse im Schlossgarten.
Ich bin, wie jeder von uns, betroffen über die Bilder, die ich von dort gesehen habe.
Niemand will, dass Bürgerinnen und Bürger, zumal auch Jugendliche, verletzt werden, auf keiner Seite, also auch keine Polizisten. Wir wünschen allen Verletzten, ob Polizeibeamte oder Demonstranten, rasche Genesung.
Es darf keine weitere Eskalation, keine Verletzten unter Demonstranten und Polizeibeamten mehr geben und deshalb bitte ich eindringlich darum, dass alle besonnen bleiben.
Ich habe Respekt vor allen, die friedlich und mit legalen Mitteln demonstrieren. Die überwältigende Mehrheit der Demonstranten macht seit Wochen und auch gestern friedlich vom Demonstrationsrecht Gebrauch, so wie es unser Rechtsstaat schützt.
Wir alle - ich betone alle - sind an Recht und Gesetz gebunden. Das ist ein essenzieller Bestandteil unserer Demokratie. Und keiner steht in unserem Land über dem Recht. Wir alle stehen unter ihm.
Deshalb muss jedem klar sein: Wer auf Arbeiter oder Polizeibeamte Flaschen wirft, selbst mit Pfeffersprays sprüht und sich nicht an die Anweisungen der Polizeibeamten hält, handelt rechtswidrig. Auf solche Situationen mussten die Polizeibeamten reagieren. Ich stelle mich hinter unsere Beamtinnen und Beamten. Ich weiß, dass das schwierige Situationen sind. Ich bedauere aber außerordentlich, dass ein solches Vorgehen notwendig geworden ist.
Ich danke den beteiligten Polizeibeamten. Natürlich fallen unseren Polizisten solche Einsätze nicht leicht. Niemand trägt gerne Demonstranten weg und niemand lässt sich gerne attackieren.
Wir alle sind aufgerufen, unseren Beitrag zu leisten, dass solche Bilder aus dem Stuttgarter Schlossgarten einmalig bleiben. Niemand will eine Eskalation, es dürfen keine Demonstranten und Polizisten mehr verletzt werden.
Die Grundlage verantwortungsvoller Politik sind parlamentarische Beschlüsse und Entscheidungen unabhängiger Gerichte - und auch Kritiker müssen in einer Demokratie rechtsstaatliche Entscheidungen akzeptieren, selbst wenn es schwer fallen mag. Und umgekehrt müssen diejenigen, die politische Verantwortung tragen, garantieren, dass legitimierte Entscheidungen letztlich auch verwirklicht werden können. Das ist das Wesen eines Rechtsstaates.
Der Bau von Stuttgart 21 ist demokratisch voll legitimiert und die Projektträger haben klar und transparent erläutert, warum diese 25 Bäume jetzt weichen mussten. Die Projektsprecher haben erst vor einigen Tagen die Maßnahme angekündigt und ein detailliertes Baumkonzept vorgelegt. Es ist also nichts Überraschendes geschehen. Es ist kein Baum mehr als unbedingt notwendig gefällt worden.
Ich appelliere an die Projektgegner, sich mit den Trägern des Projektes und den Befürwortern in der Bevölkerung an einen Tisch zu setzen - so wie ich das in den vergangenen Wochen mehrfach angeboten habe. Wir brauchen in dieser schwierigen Situation Gesprächsbereitschaft und Gesprächsfähigkeit.
Insbesondere müssen wir konstruktiv über all die vielen Möglichkeiten sprechen, die rund um das Projekt Stuttgart 21 gestaltbar sind und wo sich die Bürgerinnen und Bürger einbringen können.
Sie wissen, dass ich es mir mit Stuttgart 21 viel leichter hätte machen können. Ich habe das Projekt nur übernommen, es kostet auch viel Geld, wie das bei Jahrhundertprojekten so ist und es gibt erheblichen Gegenwind.
Dennoch werbe ich für diese einmalige Chance für unser Land, für wirtschaftliche Weiterentwicklung, neue Arbeitsplätze und den Erhalt unseres Wohlstandes. Stuttgart 21 ist ein Generationen-, ein Jahrhundertprojekt! Und ich möchte mich nicht in 20 oder 30 Jahren von unseren Kindern und deren Kindern fragen lassen müssen, warum wir diese einmalige Chance nicht ergriffen haben. Vielleicht auch nur, weil damals eine Landtagswahl bevor stand.
Ich akzeptiere, dass es wegen der Kosten oder der sehr langen Bauphase auch Skepsis gibt.
Lassen Sie uns deshalb gemeinsam über Möglichkeiten sprechen, wie Optimierungen, Veränderungen, Verbesserungen erreichbar sind.
Ich selbst will meinen Beitrag dazu leisten. Ich habe mehrfach den Dialog angeboten. Ich habe immer gesagt, dass meine Hand ausgestreckt bleibt. Und natürlich berühren mich die Gesichter und die Kommentare vor allem der Schülerinnen und Schüler. Ich werde deshalb den persönlichen Kontakt zu einer Gruppe dieser Schülerinnen und Schüler suchen, um mit Ihnen in aller Ruhe zu diskutieren.
Mein dringender Appell gilt aber allen, die guten Willen haben: Bitte bleibt besonnen! Auch der Streit um ein solches Projekt, der zur Demokratie sicher dazu gehört, rechtfertigt niemals Gewalt gegen Sachen und Personen - und die Bilder von gestern dürfen sich nicht wiederholen!”


20 Jahre deutsche Einheit und die Demokratie ist mehr Entwicklungsgebiet denn je...




Merkel gegen ihr (Wahl-)Volk

Alle demonstrieren gegen Stuttgart 21: Anzugträger, Rentner, normale Bürger. Oft klassische CDU-Wähler. Merkel und Mappus vergrätzen sie zusehends - und setzen ihre Macht aufs Spiel. Von S. Kemnitzer

Ohne diese vier Worte wäre Angela Merkel nie Kanzlerin geworden. "Wir sind das Volk!" Diese Worte skandierten die Menschen in der DDR Ende der 80er Jahre auf den berühmten Montagsdemonstrationen. Genau diese Worte dürften Angela Merkel heute so gar nicht mehr schmecken. Denn nun richten sich diese Worte gegen sie, die Kanzlerin, weil sie das Megaprojekt Stuttgart 21 beinhart durchziehen will. Merkel hofft, dass sie damit Stephan Mappus schützen kann, den baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Am Ende trügt die Hoffnung womöglich. Und beide verlieren ihre Macht.
 
Mehr lesen:
http://www.stern.de/politik/deutschland/stuttgart-21-und-die-dagegen-republik-merkel-gegen-ihr-wahl-volk-1609578.html
 
 

Freitag, 1. Oktober 2010

Terrorpanik, und die Russen kommen:

http://blog.fefe.de/?ts=b258ffe6


  • [l] Wisst ihr, was wir jetzt brauchen? Mehr Terrorpanik! Ein Glück, dass wir das gemeinsame Terrorpanikzentrum von Spiegel Online, dem BKA und der CDU haben, die uns dieses hilfreiche Video zeigen, damit wir alle wieder schön Angst vor den bösen Muselmanen, äh, Terroristen haben. Das FBI stellt eine Explosion nach und will das als Beweis vor Gericht verwerten. Die Rechtssysteme scheinen doch noch weiter auseinanderzuklaffen als bisher angenommen, wenn das ein Beweismittel sein soll.In diesem Sinne: Duck and cover! (Danke, Michael)


    [l] Die CDU erklärt mal kurz die Situation:
    Auch der Chef der Landtagsfraktion, Peter Hauk (CDU), weiß, wo der Feind steht: "Ich wehre mich dagegen, mich unter das Diktat von Altkommunisten und Altlinken zu stellen, die in den letzten Wochen die Rädelsführer des Protestes waren", sagt er. Da gehe eine Saat auf, "die die Grünen mitgelegt haben".
    Alles fiese Kommunisten!!! DIE RUSSEN KOMMEN!!1!Wem das bekannt vorkommt: sollte es auch. Schon vor 35 Jahren log der CDU-Mann Filbinger bezüglich der Atomkraftgegner:

    "An diesen Aktionen hat sich eine beträchtliche Gruppe von Linksextremisten und Kommunisten aus allen Teilen des Bundesgebietes beteiligt."
    Und deshalb müssen wir dafür sorgen, dass nie wieder jemand irgendwo CDU wählt. 
[l] Oh und wo wir gerade bei der CDU und ihrer Furcht vor DEN KOMMUNISTEN waren: Der Justizausschuss des Thüringer Landtages hat die Immunität von Linksparte-Fraktionschef Bodo Ramelow aufgehoben. Begründung: er soll einen Naziaufmarsch gesprengt haben. Völlig klar, da muß die CDU reagieren. Wo kämen wir da hin, wenn jemand bei uns mit Zivilcourage durchkommt. Normalerweise würden sie Hartz IV kürzen, aber bei Ramelow mussten sie da tiefer in die Trickkiste greifen. (Danke, Frank)

Viele fragen sich, warum die Stuttgarter angeblich erst jetzt aufdrehen...

Viele fragen sich, warum die Stuttgarter angeblich erst jetzt aufdrehen, aber, wann denn sonst, wenn nicht jetzt?



Entgegen den offiziellen Behauptungen wurde zuvor durchaus Einiges auf andere Weise versucht, sich bemerkbar zu machen. Es stimmt nicht, dass die Stuttgarter so plötzlich und aus heiterem Himmel gegen den neuen Bahnhof sind. Das ist genauso eine Lüge, wie so viele andere Behauptungen ebenfalls in diesem Staat. Und, es ist wieder einmal typisch: Ein Pfaffe steht eisern dafür, dass der neue Bahnhof gebaut wird.

Es kommt also nicht überraschend, dass die Bürger dagegen sind - genauso wenig wie es überrascht, dass ein Pfarrer dafür ist. Heutzutage sind diese Herrschaften meistens auf der anderen Seite irgendwie, und nicht da, wo Jesus gewesen wäre und wo anscheinend auch viele Bürger sind.

Es gibt einen Bericht dazu, wie die Bürger und ihre Versuche der Mitbestimmung ausgeschaltet wurden:

Stuttgart 21

Ausgetrickst und abgekanzelt

Wie Politiker aktiv verhinderten, dass die Bürger beim neuen Stuttgarter Bahnhof mitbestimmen.

Mehr erfahren:

http://www.zeit.de/2010/39/Bahnprojekt-Stuttgart-21


Wie demokratisch das mit der Bürgerbeteiligung schon 1997 war, belegt ein Video:





Etwas zum Thema Milliardengrab in Bezug auf das Bauvorhaben gibt es in diesem Video:




Achja, und Kanzlerin Merkel ist inzwischen etwas besorgt... hier:

http://www.tagesschau.de/inland/merkel1728.html

Dass es bei den Projekten der Bahn nicht um die Interressen der Bürger geht - auch nicht um jene der Fahrgäste - zeigt ein weiteres Video auf, und belegt, dass die Bahn an dem spart, was den Kunden dient, während überteuerte Prestigeprojekte durchgedrückt werden:

Stadtpark des Grauens vor dem Bahnhof des himmlischen Friedens...




http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4202/der-bahnhof-des-himmlischen-friedens?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+DerSpiegelfechter+%28Der+Spiegelfechter%29


Der Bahnhof des himmlischen Friedens

geschrieben am 01. Oktober 2010 von Spiegelfechter
Was soll man einem Kind über Demokratie und den Rechtsstaat erzählen, das bei einer angemeldeten Schülerdemonstration von grotesk martialisch uniformierten Polizisten mit Tränengas, Schlagstöcken und Wasserwerfern malträtiert wird? Welchen Wert hat das Verhältnismäßigkeitsprinzip überhaupt, wenn es von einer zu allem entschlossenen Politikerkaste nach eigenem Gutdünken verbogen wird? Worin unterscheidet sich eigentlich die Stuttgarter Landesregierung, die Kinder von „Robocops“ zusammenschlagen lässt, von einem Herrn Putin, der seine OMON-Truppen auf Demonstranten hetzt? Mit der gestrigen Eskalation der Staatsgewalt im Stuttgarter Schlosspark hat der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus ein unrühmliches Stück deutscher Nachkriegsgeschichte geschrieben – mit dem Blut von Kindern und Greisen, die Demokratie leben wollten.
Welche Mittel darf der Staat anwenden, um seine Entscheidungen durchzusetzen? Prinzipiell darf der Staat jedes Mittel anwenden, er ist jedoch auch dazu verpflichtet, seine Mittel an der Verhältnismäßigkeit auszurichten. Es ist aber nicht verhältnismäßig, wenn man bis an die Zähne bewaffnete Polizeihundertschaften mit brutalster Gewalt auf Schüler hetzt. Natürlich haben die Verantwortlichen Recht, wenn sie als Verteidigung vorbringen, die betroffenen Schüler hätten schließlich eine Ordnungswidrigkeit begangen, als sie einen Polizeilaster, der Sperrgitter transportierte, „besetzt haben“.



Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit besagt aber, dass die Staatsgewalt erst dann zu einer härteren Maßnahme greifen darf, wenn kein milderes Mittel zur Verfügung steht, das in gleicher (oder sogar besserer) Weise geeignet ist, den Zweck zu erreichen, aber den Betroffenen weniger belastet. Ein Staat, der Kinder niederknüppeln lässt, tritt das rechtsstaatliche Prinzip der Verhältnismäßigkeit allerdings mit Füßen. Was sich gestern in Stuttgart abspielte, hat mit einem Rechtsstaat nicht mehr viel zu tun.
Doch eine formaljuristische und politikwissenschaftliche Betrachtung der Ereignisse verfehlt in gewisser Weise den Kern der eigentlichen Problematik. Wie ist die öffentliche Wirkung der gestrigen Geschehnisse? Auf der einen Seite sah man eine Art basisdemokratischen „Volkssturm“ – 12.000 Demonstranten, viele davon Greise und Jünglinge, unbewaffnet, friedlich, politisch engagiert. Ihre Motivation war und ist eine hehre – in Zeiten der angeblichen Politikverdrossenheit stellten sie sich einem Abrisskommando in den Weg, das mit dem Fällen von Bäumen Fakten für die Unumkehrbarkeit eines milliardenschweren Infrastrukturprojekts schaffen sollte, das lokal und regional von der Mehrheit abgelehnt wird. Auf der anderen Seite sah man die Staatsmacht in ihrer hässlichsten Form – grotesk martialische Einsatzkräfte, die mit äußerster Gewalt den Willen der Volksvertreter gegen das eigene Volk durchzusetzen hatten. Dies ist weiß Gott keine Konstellation, die einem PR-Verantwortlichen im Dienste der Landespolitik gefallen könnte. Mehr noch – dies ist ein Kampf, den der Staat nur verlieren kann, selbst wenn er sein Ziel vordergründig erreicht.
Doch welches Ziel kann und soll eine parlamentarische Demokratie haben? Stuttgart 21 ist ein Projekt, das von den Repräsentanten des Volkes ordnungsgemäß beschlossen wurde. Doch die Basis dieser Legitimation hat sich mit der Zeit dramatisch geändert. Je mehr Informationen, die eigentlich unter den Teppich gekehrt werden sollten, ans Licht kamen*, desto stärker wurde der Widerstand gegen das Projekt. Eine ideale Demokratie ist eine lebendige Demokratie. Selbst wenn beispielsweise der Familienrat den Vorschlag des Familienvaters mehrheitlich unterstützt, am nächsten Tag mit der Familie einen Spaziergang zu unternehmen, so wäre es zumindest unklug, an diesem Vorhaben festzuhalten, wenn sich das Wetter am nächsten Tag massiv verschlechtert. Besteht der Vater dennoch auf dem Familienspaziergang, so könnte man ihn als borniert beschreiben. Treibt er seine widerwilligen Kinder mit einem Schlagstock aus dem Haus, so versündigt er sich nicht nur an der moralischen Legitimation als Familienoberhaupt, sondern führt das Prinzip eines Familienrats ad absurdum. Nur Dummköpfe können der Meinung sein, dass ein Entschluss unabänderlich ist, wenn sich die Grundvoraussetzungen ändern. Landesvater Mappus ist nicht nur borniert, er ist auch ein gewalttätiger Dummkopf, wenn er seinen Willen mit Gewalt gegen das Volk durchsetzen will. Er hat das Prinzip der Demokratie ad absurdum geführt und müsste in einer besseren Welt zurücktreten. Natürlich wird er dies nicht tun, die Chancen, dass er im nächsten Frühjahr in seinem Amt bestätigt wird, sind jedoch spätestens seit gestern gen Null gesunken.
Wir leben in Zeiten, in denen die Bürger sowohl der Politik als auch dem Staat immer weniger vertrauen. Bornierte Dummköpfe tragen nicht dazu bei, dass sich daran etwas ändern wird – im Gegenteil. Da wirkt es schon beinahe grotesk, dass die Kanzlerin sich – ohne Not – in Nibelungentreue an den schwarzen Fürsten aus dem Süden kettet. Durch ihre öffentlich demonstrierte Rückendeckung wird aus dem regionalen Fanal ein Politikum, das die gesamte politische Diskussion verändert. In welchem Staat wollen wir leben? Sicherlich nicht im Merkel-Mappus-Staat, in dem der Staat bar jeder Vernunft alten Männern die Augen ausschlägt und Kinder verdrischt. Angela Merkel hat die Chance vertan, sich im letzten Moment zu retten, ihr oft zitierter politischer Instinkt scheint ihr mittlerweile abhanden gekommen zu sein. Damit dürften auch ihre Tage als Kanzlerin gezählt sein. Wenn die eiserne Kanzlerin künftig mit erhobenem Zeigefinger Richtung Moskau oder Teheran zeigt, wird man ihr Stuttgart vorhalten können. Wer sein eigenes Haus mit dem Stahlbesen kehrt, kann vom Nachbarn auch nicht verlangen, sein Haus mit dem Mikrofasertuch zu putzen.



Stuttgart 21 ist mehr als ein Fanal, es ist die Bankrotterklärung der repräsentativen Demokratie. Dort, wo der Wille des Volkes durch die Macht der Waffen unterdrückt wird, ist kein Hort der Demokratie, sondern ein Abgrund der Repression. Wenn es die repräsentative Demokratie nicht schafft, das Vertrauen des Volkes zurückzugewinnen, droht dem Land eine neue Ära des bürgerlichen Widerstands. Es gab immer Demonstrationen von Minderheiten, die mit Gewalt niedergeschlagen wurden. In Stuttgart ist es allerdings das Bürgertum, die Mittelschicht, die sich gegen einen bornierten Staat stellt, der offenbar bis zum Äußersten geht, um seinen Willen durchzusetzen. Alle Staatsmacht geht vom Volke aus? Welche Bedeutung hat dieser Satz am heutigen Tag? Die politischen Eliten sollten in sich gehen und einmal darüber nachdenken. Noch haben sie Zeit, die Demokratie zu retten, indem sie dafür sorgen, dass die Demokratie wieder mehr ist als ein hohles Wort. Doch die Zeit läuft ab, und wer meint, die Entwicklungen aussitzen zu können, wird früher oder später vom Volk hinweggefegt. Man sollte die Geschichte nicht durch einen Mangel an Phantasie beleidigen.
Jens Berger

Wer MP Mappus und Innenminister Rech zum Rücktritt auffordern will, der kann dies über den Mailer von Campact tun! Nur zu!
Zum Thema: Felix Neumann: Ohnmacht, Wut und repräsentative Demokratie
Stefan Sasse: Proteste gegen S21 eskalieren – was sind die Folgen?
* Über die Hintergründe werde ich in der nächsten Woche einen Artikel verfassen

Wer wissen will, wie unsere Republik am Vorabend zur 20-Jahr-Feier der Wiedervereinigung aussieht...

...sollte dieses Blog lesen:


http://kinder-alarm.blogspot.com/

Ministerin von der Leyen und ihr Hartz IV Paket - Comic: "Und dann kamst Du..."



http://www.bmas.de/portal/48268/2010__09__29__vdl__aktuelle__stunde__regelsatz.html


"Zeit für eine Sozialpolitik, die den Menschen etwas zutraut"

Rede der Bundesministerin für Arbeit und Soziales Ursula von der Leyen im Deutschen Bundestag zu den neuen Hartz-IV-Regelsätzen
Auszüge aus der Rede der Bundesministerin für Arbeit und Soziales Ursula von der Leyen:
"Die neuen Regelsätze sind klar und transparent nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes hergeleitet. Maßstab ist das Verbrauchsverhalten der Haushalte im unteren Einkommensfünftel. Zusätzlich musste der Gesetzgeber Wertentscheidungen fällen, schlüssig und sachgerecht begründen, welche Positionen existenzsichernd sind und welche nicht. Ich bin der Auffassung, die Genussmittel Alkohol und Tabak gehören so wenig dazu wie Ausgaben für Glücksspiel oder Flugreisen. Denn wir müssen jede dieser Entscheidungen beiden Seiten erklären: Denen, die 364 Euro Lebensunterhalt plus Warmmiete in Hartz IV bekommen und jeden Cent umdrehen. Aber genauso denen, die das erarbeiten und ebenfalls jeden Cent umdrehen müssen. Jeder, der jetzt zusätzliche Forderungen stellt, muss das anhand der vorliegenden Daten des Statistischen Bundesamtes begründen. (…)
Die Linke würde mit ihrer Forderung von 500 Euro im Monat auf einen Schlag 2 Millionen Menschen zusätzlich in das System der passiven Leistungen hereinziehen. Eine solche Sozialpolitik, die sich darauf beschränkt, Abhängigkeit vom Staat auszubauen und Passivität zu zementieren, ist kraftlos, verlogen und muss scheitern. Hartz IV darf kein Dauerzustand sein! Dieses Versprechen, das sich Arbeitsuchende und die Gemeinschaft als Pakt für die Not in die Hand geben, das muss weiter gelten! (...)
Es geht nicht nur darum, die Existenz, die Basis abzusichern. Geld allein ist kein Allheilmittel gegen Ausgrenzung und Hilflosigkeit. Es geht auch darum, dass das Vertrauen von Menschen an die Aufstiegsmöglichkeiten in der Gesellschaft nicht verloren geht. Dafür ist unser Bildungspaket ein deutliches Zeichen. Das sind 620 Millionen Euro zusätzlich, damit Kindern der Start ins Leben gelingt, unabhängig davon, ob ihre Eltern Arbeit haben. Damit sie Erfolgserlebnisse haben, damit sie erfahren: Du kannst etwas, Du wirst gebraucht, Du hast eine Zukunft, die nicht Hartz IV heißt. (...)
Die Konjunktur springt an, die Unternehmen bekommen wieder mehr Aufträge und suchen Arbeitskräfte - längst nicht nur unter den Hochqualifizierten. Jetzt öffnen sich, wie seit Jahrzehnten nicht mehr, Türen auch für diejenigen, für die der Arbeitsmarkt bisher wie verschlossen war. Jetzt ist die Zeit für eine Politik, die den Menschen etwas zutraut, sie ernst nimmt und Perspektiven schafft. Deswegen investieren wir jetzt in Kinder, damit sie den Kreislauf von vererbter Armut durchbrechen können, wir investieren in Brücken in den Arbeitsmarkt wie die Bürgerarbeit. Wir investieren in passgenaue Vermittlung durch neu aufgestellte Jobcenter, in bessere Unterstützung für Alleinerziehende, die arbeiten wollen. Wir investieren in effizientere Arbeitsmarktinstrumente. (…)"

http://www.bmas.de/portal/47956/2010__09__26__regelsaetze__sgb2.html


Transparent, fair, zukunftsorientiert

Die neuen Regelsätze in der Grundsicherung für Arbeitsuchende
Familie beim Einkauf © iStockphoto
Der Referentenentwurf zu den neuen Regelsätzen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales zusammen mit einer umfassenden Erläuterung der Berechnungsgrundlagen veröffentlicht. Die Regelleistungen bleiben stabil - sowohl bei den Erwachsenen als auch bei den Kindern. Nach der Neubemessung liegt die neue Regelleistung für alleinstehende und alleinerziehende Erwachsene bei 364 Euro. Das ist eine Steigerung um 5 Euro. Bei der Berechnung wurden Neubewertungen gegenüber der Bemessung zum 01.01.2005 vorgenommen. Die Einkommens- und Verbrauchsstatistik 2008 bildet - wie verfassungsrechtlich geboten - mit ca. 230 Positionen die Grundlage der Berechnungen. Bei der Überprüfung, welche Ausgaben Geringverdiener in Deutschland tatsächlich tätigen, wurden wenige Positionen neu hinzugefügt (zum Beispiel Internet-Softwaredownloads, Praxisgebühr) und "nicht regelsatzrelevante" (zum Beispiel Kraftfahrzeuge, Haushaltshilfen, Flugreisen, aber auch illegale Drogen, Tabak, Alkohol, Glücksspiel) oder anderweitig gedeckte Positionen (zum Beispiel Unterkunftskosten) ausgeschlossen. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist der Gesetzgeber gehalten, solche Wertentscheidungen zu treffen und sie transparent und schlüssig zu begründen.
Ausgerechnet worden sind für die Kinder von:
  • 0 bis unter 6 Jahren: 213 Euro, damit 2 Euro weniger als bisher.
  • 6 bis unter 14 Jahren: 242 Euro, damit 9 Euro weniger als bisher.
  • 14 bis unter 18 Jahren: 275 Euro, damit 12 Euro weniger als bisher.
Es wurden erstmals gesondert kinderspezifische Bedarfe ermittelt und auf eine prozentuale Ableitung verzichtet, da das Bundesverfassungsgericht zu recht festgestellt hat, dass Kinder keine "kleinen Erwachsenen" sind.
Die rechnerische Senkung wird nicht zu niedrigeren Regelsätzen für Kinder führen. Grund ist die politische Entscheidung, Familien im Zusammenhang mit der verfassungsrechtlich gebotenen Umstellung der Berechnungsmethodik für die Kinderregelsätze keine Senkung zuzumuten. Die Familien haben sich auf das bisherige Existenzminimum eingerichtet und genießen Vertrauensschutz. Der Überzahlbetrag gegenüber dem statistisch ermittelten Wert wird bei zukünftigen Steigerungen angerechnet.
Es bleibt also bei den Kinderregelsätzen wie folgt:
  • 0 bis unter 6 Jahren: 215 Euro 
  • 6 bis unter 14 Jahren: 251 Euro
  • 14 bis unter 18 Jahren: 287 Euro
Übergangsweise, bis die laufende Wirtschaftsrechnung (jährliche Ausgaben- und Verbrauchstichprobe für vierteljährlich 2000 Haushalte, die "kleine Schwester" der EVS) beim Statistischen Bundesamt belastbar entwickelt und erprobt ist (in ca. 3 Jahren), werden die Regelleistungen jährlich mittels eines ausgewogenen Mixes von Preis- (70 Prozent) und Lohnindikatoren (30 Prozent) fortgeschrieben. Diese Methode ist sachgerecht, weil Preis- und Lohnentwicklung (Kaufkraft) im engen Bezug zum Konsumverhalten stehen. Eine Kopplung an die Rente hatte das Bundesverfassungsgericht wegen des dämpfenden demografischen Faktors in der Rentenformel ausdrücklich gerügt.
Ergänzend zu den Regelleistungen bekommen Kinder und Jugendliche ein Bildungspaket als Sachleistung. Jedes Kind erhält Zugang zu einem Verein in den Bereichen Sport, Spiel, Kultur und Geselligkeit, zu Ferienfreizeiten und außerschulische Bildung mit einem Jahresbeitrag bis zu 120 Euro (Budget monatlich 10 Euro), Schulmaterial im Gegenwert von 100 Euro im Schuljahr (70 Euro zu Jahresbeginn, 30 Euro zum Schulhalbjahr) und einen Zuschuss zu Schul- und Kitaausflügen von 30 Euro im Jahr. Kinder und Jugendliche, die am Kita- oder Schulmittagessen teilnehmen, erhalten einen Zuschuss von ca. 2 Euro pro Mittagessen. Kinder mit objektiven Schulproblemen, erhalten ergänzend zu den schulischen Angeboten soweit erforderlich eine angemessene Lernförderung. Insgesamt steht für das Bildungspaket mit warmem Mittagessen ein Volumen von 620 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung.

- Berechnungsgrundlage: Einkommens- und Verbrauchsstatistik

- Die Referenzgruppe: Welche Haushalte bilden den Maßstab?

- Welche Ausgaben fließen in die Berechnung ein?

- Sonderauswertungen zu Strom und Mobilität

- Die neuen Kinder-Regelsätze

- Anpassung nach der jeweils laufenden Wirtschaftsrechnung

Berechnungsgrundlage: Einkommens- und Verbrauchsstatistik

Alle fünf Jahre werden private Haushalte in Deutschland im Rahmen der Einkommen- und Verbrauchsstichprobe (EVS) zu ihren Einnahmen und Ausgaben, zur Vermögensbildung, zur Ausstattung mit Gebrauchsgütern und zu ihrer Wohnsituation befragt. Diese Haushalte aus ganz Deutschland führen dafür jeweils drei Monate lang Haushaltsbücher über sämtliche Einnahmen und Ausgaben - von der Seife über Lebensmittel bis hin zu Schuhreparaturen, Friseurbesuchen oder Eintrittsgeldern für Sport oder Kino. Damit liegen bezogen auf das ganze Jahr von rd. 60.000 Haushalten die Angaben vor. Durch das umfangreiche Datenmaterial bildet die EVS sehr genau die Einkommenssituation, den Lebensstandard und das Verbrauchsverhalten der Gesamtbevölkerung ab. Das Ministerium hat auf Basis dieser Zahlen das Existenzminimum vom tatsächlichen Verbrauch und damit von der Lebenswirklichkeit unterer Einkommensgruppen abgeleitet. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil bestätigt, dass die die Einkommens- und Verbrauchsstatistik (EVS), die das Statistische Bundesamt alle fünf Jahre erhebt, für diese Methode "geeignete empirische Daten" liefert. Gerügt hat das Gericht hingegen die mangelnde Transparenz der Berechnungen, mit denen der damalige Gesetzgeber aus diesem Datenpool die Regelleistungen abgeleitet hat: Schätzungen ins "Blaue", willkürliche Abschläge oder unbegründete prozentuale Kürzungen seien unzulässig. Das Urteil verlangt:
  • eine klare Definition der Referenzgruppe: Welche Haushalte bilden den Maßstab für die Bemessung des notwendigen Existenzminimums?
  • nachvollziehbare Wertentscheidungen darüber, welche der 230 Ausgabe-Positionen in den Haushaltsbüchern der EVS regelsatzrelevant sind und welche nicht;
  • eine eigenständige Ermittlung der Regelleistungen für Kinder und Jugendliche, die sich an deren jeweiligen Entwicklungsphasen orientieren;
  • die Entwicklung einer sachgerechten Systematik für die jährliche Anpassung der Regelleistungen.
Da eine realitätsnahe Bemessung auch eine fortwährende Überprüfung und Weiterentwicklung voraussetzt war zur Bemessung der Regelleistungen die Zahlenbasis der aktuellen EVS von 2008 heranzuziehen, deren ausgewertete Ergebnisse das Statistische Bundesamt bis September vollständig vorgelegt hat.
Statistische Ergebnisse der der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008 finden Sie im Anhang dieses Dokuments ganz unten.
Prozess der Regelsatzermittung im SGB II
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Die Referenzgruppe: Welche Haushalte bilden den Maßstab?

Wichtig für die Berechnung der Regelsätze ist die "Referenzgruppe", also diejenigen Gruppe, aus deren Verbrauchs- und Konsumverhalten auf das menschenwürdige Existenzminimum geschlossen werden soll. Wie schon 2003 wird auch bei der Neuberechnung der Regelleistungen jeweils das unterste Einkommensfünftel in den Blick genommen. Diese Praxis hatte das Gericht nicht moniert. Damit keine Zirkelschlüsse auftreten können, werden alle Haushalte herausgerechnet, die ausschließlich von staatlichen Transferleistungen leben: nämlich von
  • Hilfe zum Lebensunterhalt
  • Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung,
  • Arbeitslosengeld II nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch oder
  • Sozialgeld nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch.
Während bei den Regelleistungen für Erwachsene das untere Fünftel der Einpersonenhaushalte maßgeblich ist, wird für den Kinder-Regelsatz erstmals ein anderer Haushaltstyp herangezogen, um den besonderen Bedarf von Kindern abbilden zu können: Paarhaushalte mit einem Kind.
Referenzgruppe für Erwachsene zur Regelsatzermittung im SGB II
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Referenzgruppe zur neuen Berechnung der Regelsätze für Kinder
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Welche Ausgaben fließen in die Berechnung ein?

Der Verbrauch der Referenzgruppe wird in der Einkommens- und Verbrauchsstatistik in über 230 Positionen dokumentiert. Für jede Position gibt es einen bestimmten Betrag, der den durchschnittlichen Konsum aller in der Referenzgruppe enthaltenen Haushalte abbildet. Dann kann der Gesetzgeber laut Bundesverfassungsgericht in einem weiteren Schritt Wertentscheidungen treffen, welche Positionen als "regelbedarfsrelevant" in die Regelleistung einfließen werden und welche nicht. Bedingung ist, dass er seine Entscheidungen transparent macht sowie schlüssig und sachgerecht begründet.
Der Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers ist nach dem Bundesverfassungsgericht sehr beschränkt, wenn es um das unmittelbar Lebensnotwendige geht, also beispielsweise Grundnahrungsmittel oder Hygieneartikel. Freier entscheiden kann der Gesetzgeber, wenn es um Ausgaben der allgemeinen Lebensführung wie Freizeit, Unterhaltung oder Genussmittel geht. Für die Neuberechnung der Regelleistungen wurden alle Positionen noch einmal sorgfältig auf den Prüfstand gestellt - mit unterschiedlichen Ergebnissen:
Schon bei der letzten Regelsatzverordnung 2005 blieben beispielhaft Ausgaben für Flugreisen, illegale Drogen und Glücksspiel außen vor. Dies wurde so beibehalten. Ebenfalls ausgeschlossen werden jetzt aber auch Ausgaben für alkoholische Getränke und Tabakwaren, die in der letzten Berechnung noch zu hundert (Alkohol), bzw. fünfzig Prozent (Tabak) berücksichtigt wurden.
Alkohol und Tabakwaren sind legale Drogen oder sogenannte Genussgifte und gehören somit nicht zum existenzsichernden Grundbedarf. Deswegen fließen die in der EVS ermittelten Durchschnittswerte (8,11 Euro für Alkohol und 11,08 Euro für Tabak) nicht in den neuen Regelsatz ein. Anders als der Alkoholgehalt gehört die Flüssigkeitsaufnahme an sich zum existenzsichernden Grundbedarf. Deswegen wird, nachdem die Position für alkoholische Getränke entfällt, an anderer Stelle ein Betrag für eine entsprechende zusätzliche Menge nichtalkoholischer Getränke regelsatzerhöhend aufgeschlagen (2,99 Euro für Mineralwasser).
Auf der anderen Seite fließen diesmal Positionen erstmals mit in die Berechnung ein, die für unabdingbar gehalten werden, weil sie zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben wichtig sind oder weil sie die Chancen, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen, erhöhen. Dazu gehören beispielsweise Ausgaben für Internet-Softwaredownloads. Auch Ausgaben, die es bei der Regelsatzberechnung 2005 noch gar nicht gab, wie beispielsweise die Praxisgebühr, sind neu hinzugekommen.
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Sonderauswertungen zu Strom und Mobilität

Das Bundesverfassungsgericht hat keine generelle Pflicht von Zusatzsonderauswertungen an­gemahnt. Sie sind nur geboten, soweit ein existenzsichernder Grundbedarf betroffen ist (zum Beispiel Mobilität), nicht aber, wenn es um Fragen der Lebensführung und des Lebensstils geht (Flugreisen, illegale Drogen, Alkohol, Tabak, Glücksspiel, etc.).
In einigen zentralen Ausgabegruppen der EVS wurden zusätzliche Auswertungen in Auftrag gegeben, um die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts auch genau zu erfüllen und damit das tatsächliche Existenzminimum so realistisch wie möglich herauszudestillieren.
Beispiel: Mobilität. Das Bundesverfassungsgericht hatte beanstandet, dass in den bisherigen Auswertungen die Höhe der Ausgaben für den Öffentlichen Nahverkehr/ Schienenverkehrsausgaben im Durchschnitt dadurch geringer ausfallen, weil die Haushalte in der Referenzgruppe auch Auto fahren und dafür Benzin ausgeben. Wenn keine PKW-Nutzung möglich ist, müssen, so das Gericht, die Ausgaben für andere Transportarten anders bemessen werden (entsprechend mehr Bus und Bahn). Daher wurden Zusatzauswertungen zu Verkehrsausgaben von Personen ohne Ausgaben für Kraftstoffe und Schmiermittel in Auftrag gegeben.
Auch bei den Ausgaben für die Haushaltsenergie hatte das Bundesverfassungsgericht Auflagen erteilt. Es hatte gerügt, dass es bei den ermittelten Stromausgaben bisher einen empirisch nicht belegten Abschlag von 15 Prozent für Heizungsstrom gab. Vom Grundsatz her ist der Abschlag berechtigt, weil Heizstrom mit den Kosten der Unterkunft gesondert gewährt wird. Um der Kritik des Bundesverfassungsgerichts zu entsprechen, wurde daher nun bei der EVS 2008 eine Sonderauswertung nur für solche Haushalte durchgeführt, die nicht mit Strom heizen, sondern Strom lediglich als Haushaltsenergie verwenden.
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Die neuen Kinder-Regelsätze

Für Kinder sind überwiegend dieselben Güter und Dienstleistungen wichtig wie für Erwachsene. Trotzdem ist es nicht zulässig, den Bedarf von Kindern einfach durch einen gegriffenen prozentualen Abschlag vom Erwachsenenregelsatz abzuleiten (Bundesverfassungsgericht: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen). Deswegen wurden bei der Berechnung der neuen Kinderregelsätze die Verbrauchsausgaben von Haushalten mit Kindern herangezogen. Weil jedoch in der EVS die Ausgaben für den privaten Verbrauch nur für den Haushalt insgesamt erfasst werden, mussten die Verbrauchsausgaben von Mehrpersonenhaushalten über Verteilungsschlüssel den einzelnen Personen zugeordnet werden. Dafür wurden Schlüssel verwandt, die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von Wissenschaftlern speziell für Kinder ermitteln ließ. Der Bedarf von Kindern ändert sich auch mit dem Alter. Um ein möglichst realistisches Bild zu erhalten, wurden daher mehrere Altersstufen in den Blick genommen. Die Ergebnisse sind in die eigenständigen, gestuften Regelsätze für Kinder unterschiedlichen Alters eingeflossen.
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Anpassung nach der jeweils laufenden Wirtschaftsrechnung

Wegen der sehr aufwändigen Auswertung der tatsächlichen Ausgaben von 60.000 Haushalten (jährlich), die alle Ausgaben notieren, gibt es die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) nur alle fünf Jahre. Die jährliche Anpassung der Regelleistungen wurde bisher an die Rentenentwicklung gekoppelt. Diese Kopplung an den Rentenwert wurde vom Bundesverfassungsgericht als unzulässig verworfen. Grund für die höchstrichterliche Rüge sind mehrere Umstände. Zum einen hat der der aktuelle Rentenwert eine andere Funktion: Er bezweckt die Steuerung und Dämpfung der Rentenzahlungen innerhalb eines Umlagesystems. Der Rentenwert orientiert sich außerdem neben den demografischen Dämpfungsfaktoren an Bruttolöhnen. Bruttolöhne sind keine taugliche Richtgröße, um zuverlässig Auskunft über die Entwicklung des Bedarfs und des Existenzminimums zu geben.
Zukünftig soll die "kleine Schwester der EVS", die laufenden Wirtschaftsrechnung (LWR), die statistischen Daten und Zahlen für die Anpassung der Regelsätze liefern. Sie ist bereits mit der EVS methodisch weitgehend verzahnt und bezieht in ihre jährliche Stichprobe 8000 Haushalte ein, die Buch über ihre Ausgaben führen. Differenzierte Auswertungen, zum Beispiel nach Haushalten mit niedrigem Einkommen, sind bei dieser Erhebung allerdings bislang nicht möglich. Das soll jetzt geändert werden. Die LWR soll in den kommenden Jahren breiter und differenzierter aufgestellt und schneller ausgewertet werden können. Erst dann darf sie für die Fortschreibung des Regelsatzes genutzt werden.
Als Zwischenlösung für die Übergangszeit dient zur jährlichen Anpassung ein ausgewogener Mischindex aus Preis- (70 Prozent) und Nettolohnentwicklung (30 Prozent). Beide Faktoren stehen in engem Bezug zum Konsumverhalten. Damit folgt wie vom Bundesverfassungsgericht gefordert auch die Übergangsregelung der Systematik, das menschenwürdige Existenzminimum aus dem Verbrauchsverhalten unterer Einkommensgruppen abzuleiten. Im Unterschied zu den Bruttolöhnen (Rentenwert) beschreiben die Nettolöhne die Entwicklung des Einkommens, das den Haushalten tatsächlich zur Verfügung steht. Sie sind daher ein sachgerechter Indikator, um die für das menschenwürdige Existenzminimums notwendigen Leistungen zu bemessen und fortzuschreiben Auch die vom Bundesverfassungsgericht anerkannte statistische Ermittlungsmethode der EVS stellt im Übrigen ebenfalls auf Nettoeinkommen, Verbrauch und Lebenshaltungskosten ab.
Mit den drei neuen Bausteinen zur Ausgestaltung des SGB II - dem Bildungspaket, den neu berechneten Regelleistungen für Erwachsene und Kinder sowie dem neuen Fortschreibungsmechanismus - erfüllt die Bundesregierung alle Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes.

Infos und Materialien zum Thema:

Bäume fällen in Nacht und Dunst, und die Polizei passt auf...

Stuttgart 21 - es geht weiter, gegen den Willen der Menschen

Der Ticker meldet gerade, dass mit dem Baumfällen begonnen wurde.

dpa Meldung bei Focus:


http://www.focus.de/politik/schlagzeilen/nid_54044.html

Und von Fefe noch dieses hier:

http://blog.fefe.de/?ts=b25bdd6e


  • [l] Heilige Scheiße, was geht denn da in Stuttgart ab? Selbst das ehemalige Nachrichtenmagazin spricht von "Bürgerkrieg", und die sind ja noch nie dadurch aufgefallen, dass sie sich bei Polizeiübergriffen auf die Seite der Demonstranten stellen. Wow. Spätestens an der Stelle hier ist für mich alles klar:
    Es sind Hundertschaften, die aus der ganzen Republik zusammengezogen wurden.
    Da werden die üblichen Prügelbrigaden aus Berlin und Hamburg am Start sein. Und es passiert das selbe wie sonst auch bei Demos, nur interesssiert es hier anscheinend zum ersten Mal jemanden:
    Eine völlig durchnässte alte Frau hat sich in die hinteren Reihen retten können, mit dem Rest ihres Schirms, dem Griff und einem gekrümmten Stab. Alles andere hat der Wasserwerfer weggefegt. Die 71-jährige Rentnerin demonstriert zum ersten Mal in ihrem Leben und ist, gelinde formuliert, fassungslos und verzweifelt.
    Eine 71-jährige Rentnerin mit dem Wasserwerfer beschießen, das muß die neue Charmeoffensive der Bundespolizei sein!
    Sie schreit Werner Wölfle, den Chef der Stuttgarter Grünen, an, er solle sich vor die Wasserwerfer legen, er sei doch ein Politiker. Aber Wölfle ist schon durchnässt und die falsche Adresse.
    Krasse Scheiße. Und dann die Geschichte von dem Krimi-Autor Wolfgang Schorlau, der beobachtet, wie die Polizei einem 15-Jährigen voll ins Gesicht geschlagen hat, und ihm gegen den Hinterkopf, der dazu nur meint, er habe sowas nicht für möglich gehalten, immerhin sei man ja hier in Stuttgart, nicht in Berlin. Tja, dazu fällt mir nur der Niemöller ein. Da merken die Schwaben mal, was passiert, wenn man Polizeigewalt woanders toleriert. Irgendwann hat man die dann auch bei sich vor der Haustür.Und dann zitieren sie den katholischen Pfarrer, der in den letzten Tagen Verhandlungen organisiert hat, und der stellt immerhin mal die richtige Frage:
    "Was sollen da die Kinder denken", sagt der 49-jährige Geistliche, "was sollen sie von unserem Rechtsstaat halten, der sie von der Straße spritzt?"
    Das kann ich euch sagen, was die Kinder denken werden. Die werden denken: das passiert, wenn man CDU wählt. Und Recht haben sie.Und wo wir bei Niemöller waren. "Als sie die Geschwerkafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter."
    Zu ihnen wird Mappus wohl auch die frühere Ver.di-Landesvorsitzende Sybille Stamm zählen. Die 65-jährige kommt mit blauen Flecken aus einem Pulk, nachdem sie von Polizisten die Böschung hinuntergeworfen und getreten worden ist. Sie ist eine der Verletzten, die in einem Sanitätszelt behandelt werden - sie haben Blessuren aufgrund von Tränengas, Wasserwerfern, Tritten. "Das ist hier Bürgerkrieg", sagt sie.
    An der Stelle haben die vom ehemaligen Nachrichtenmagazin dann offensichtlich Dinge aus ihren vielen Dokumentationen über das 3. Reich wiedererkannt und sahen sich doch mal zur Kritik genötigt.Ach übrigens, wenn ihr mal sehen wollt, wie sich das in der Darstellung der Polizei anhört:
    Polizeikräfte mussten vereinzelt Pfefferspray gegen Demonstranten einsetzen [...]Im Laufe der Demonstration benutzten einzelne Teilnehmer Reizgas gegen Polizisten
    Da seht ihr es! Die Gewaltanwendung war voll ausgeglichen!1!! Nicht nur das, in der Presseerklärung lügen sie uns auch dreist ins Gesicht, es seien Pflastersteine geflogen. Woher ich weiß, dass das eine Lüge war? Von hier:
    Das Innenministerium in Stuttgart musste zudem die Darstellung zurückziehen, es seien Pflastersteine auf Polizisten geworfen worden. "Da waren wir falsch informiert", sagte eine Sprecherin.
    Soso, "falsch informiert", ja? Gemerkt haben sie, dass sie falsch informiert waren, nachdem die Lüge per 20-Uhr-Tagesschau rausgegangen ist. Na SO ein Zufall.Die Gewalt der Sturmtruppen war so ausufernd, dass sogar abgehärtete Fußballfans entsetzt waren.
    Es gibt überhaupt nur eine Gruppe, die die Gewalt gut findet. Nein, nicht der Schwarze Block, der sich freut, dass die Gewaltexzesse der Polizei mal ordentlich dokumentiert würden und jemanden treffen, bei dem nicht die Mehrheit sofort glaubt, dass der schon schuldig sein wird. Die CDU-CSU. Die haben den mit Abstand widerlichsten Tweet rausgehauen, den man sich nur denken kann:
    Wer x Aufforderungen der Staatsgewalt keine Folge leistet & sich nicht v. Steinewerfern distanziert, kriegt auch mal auf die Fresse #s21
    Wer JETZT noch die Schwarze Pest wählt, den lasse ich nicht mehr mit Unwissen als Ausrede gehen.
  •  Update: Beim Atari-Frosch gibt es dazu noch ein schönes Zitat:
    Es kamen Vergleiche mit Zuständen im Iran auf, und einer bekam von einem Opa zu hören, daß das wie im 3. Reich sei, nur daß die SA nicht maskiert gewesen sei.
    Zumindest für den Iranvergleich gibt es ein Video.Update: Und noch eine krasse Nummer am Rande: bei dem Video sieht man, wie ein Polizist jemandem ins Gesicht schlägt, und was tut n-tv? Das Gesicht pixeln. Nein, nicht das des Opfers. Das des Täters!

Rebellenschädel



Ja, doch. Es ist demnächst 61 Jahre lang zurück, aber damals wurde ich genau da geboren, in dem Rebellendorf.

Heute nennen sie sich Weinstadt, und ich war ewige Zeiten nicht mehr dort. Alle die ich kannte, leben nicht mehr, sie waren fast alle älter als ich.

Vermutlich ist nun alles noch moderner geworden, und ich würde nichts so richtig wieder erkennen.

Nein, ich behalte es in Erinnerung, auch die guten Tage...

http://www.kopfbahnhof-21.de/index.php?id=596

Kleine Geschichte schwäbischer Renitenz

"Wer hätte das diesen braven Häuslebauern zugetraut?" Die Frage fällt früher oder später, wenn von außerhalb auf die Proteste gegen Stuttgart 21 geschaut wird. Dabei ist der Widerstand schon lange im Südwesten zu Hause.

Als Schwabe bekommt man zumeist von Menschen norddeutscher Provenienz zu hören, wir, die Schwaben, seien zwar tüchtig, fleißig und sparsam, aber auch bieder und brav bis zur Langeweile: kein aufrührerisches Volk also. Manfred Rommel hat einmal sinngemäß geschrieben, eine schwäbische Revolution sei, wenn einige Mannen am Stammtisch hinter ihrem Trollinger sitzen und sich über die Politik kritisch äußern. Angesichts dieses Stereotyps wundert sich nun alle Welt, dass ausgerechnet in Stuttgart ein Aufstand gegen ein Verkehrsprojekt losgebrochen ist. Das scheint so gar nicht zur schwäbischen Mentalität zu passen.

Oder vielleicht gerade doch? Der Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner, ein Befürworter des Projekts, glaubt ein Motiv des Widerstandes erkannt zu haben: "In Schwaben haben viele das Gefühl: Was groß ist, ist unnötig." Wäre das so, dann hätten sich die Stuttgarter einstens gegen den groß dimensionierten Bonatz-Bahnhof wehren müssen, mit dem sie sich aber identifizieren.

Was immer diejenigen antreibt, die gegen Stuttgart 21 protestieren, es ist Glückssache, in den vermeintlichen oder tatsächlichen Stammeseigenschaften nach Ursachen zu fahnden. Sicher ist indes, dass das Bild vom braven, obrigkeitshörigen Schwaben falsch ist. Das belegt der Blick auf die Geschichte des deutschen Südwestens.

Unruhen unter den schwäbischen Bauern hatte es zwar schon im Mittelalter gegeben, aber an der Wende zur Neuzeit wurde aus dem Protest eine Form politischer Partizipation. Das begann mit dem "Armen Konrad" 1514 in Beutelsbach. Der immer finanzklamme Herzog Ulrich, der die direkten Steuern nicht mehr zu erhöhen wagte, griff zu einem Trick und ließ, bei unveränderter Bezeichnung, die Gewichte herabsetzen. Ein Pfund hieß zwar noch ein Pfund, wog aber nur noch zwei Drittel seines eigentlichen Gewichts. Das traf vor allem die ärmeren Schichten, die nun ihrem Unmut Ausdruck verliehen. Der aufrührerische Peter Gais warf unter allgemeinem Beifall die falschen Gewichte in die Rems. Daraus entstand, noch vor den Bauernkriegen, eine Protestbewegung, eine Schwurgemeinschaft, die sich "Armer Konrad" nannte und als Symbol des frühen Widerstandes im Südwesten gelten kann.

Der zivile Ungehorsam der Bauern zwang die Regierung zum Handeln. Ein nach Tübingen einberufener Landtag sollte den Beschwerden Gehör verschaffen, und am Ende stand der Tübinger Vertrag. Um ein Haar verpassten die Aufständischen die Einführung der Demokratie im alten Württemberg. Als der Herzog siebentausend Remstäler Bauern vor den Toren Schorndorfs aufforderte, den Tübinger Vertrag anzuerkennen, hätten sie ihn festnehmen und absetzen können, denn er war nur mit geringem Gefolge erschienen. Dieser Augenblick hätte die Geburtsstunde der Demokratie in Württemberg sein können, wie sie in der Schweiz ja schon praktiziert wurde. Aber niemand gab den Befehl, den Herzog zu fangen. Keiner von den siebentausend Mann war in der Lage, aus dem Gebäude von Ehrfurcht auszubrechen, in dem sie aufgewachsen waren. Es fehlte, wie dann auch in den Bauernkriegen, eine Führerpersönlichkeit, ein Mann des großen Zuschnitts, der die Unruhekräfte mit staatsmännischem Blick hätte zusammenfassen können. Dieses Dilemma findet sich noch öfters in der deutschen Geschichte.

Ein anderer Markstein des Widerstandes sind die Bauernkriege, die 1524 im Südwesten ausbrachen - und dies aus geringem Anlass: an einem Junitag ließ die Gräfin Helena von Lupfen-Stühlingen den Bauern, die mit der Heuernte beschäftigt waren, befehlen, für sie leere Schneckenhäuser zu sammeln, auf die sie ihr Garn wickeln wollte. Der Aufstand, der aus dieser Zumutung entstand, führte zu einer der größten politisch-sozialen Massenbewegungen in der deutschen Geschichte. Ein Bauernparlament sollte in Heilbronn ein Programm verabschieden, das auch das Wahlprinzip für politische Ämter vorsah.

Den Bauern fehlte es nicht an demokratischem Selbstbewusstsein. Das hing mit der Reformation zusammen. Sie hatte die bäuerliche Erhebung zwar nicht verursacht, ihr aber eine Legitimationsbasis verschafft. Umso nachteiliger wirkte sich aus, dass Martin Luther den Aufständischen die moralische Unterstützung mit den Worten entzog, man solle sie niederschlagen wie tolle Hunde. Luthers Zorn hatte insbesondere der Anführer Thomas Müntzer erregt, der versucht hatte, die Aufständischen in den Dienst radikaler Verchristlichung der Welt zu nehmen. Und weil es den Aufständischen an militärischer Geschlossenheit fehlte, konnte Georg Truchsess von Waldburg, der Heerführer des Schwäbischen Bundes, den Aufstand niederwerfen. Aber fortan war die Obrigkeit bestrebt, neuen Erhebungen vorzubeugen, indem man die ökonomische und politische Situation der Bauern verbesserte.

Als die französischen Revolutionsheere 1794 gen Süddeutschland vorrückten, sahen ihnen die Bauern und Städter mit Zuversicht entgegen und vertrauten darauf, dass der Krieg nicht den Hütten, sondern den Palästen galt. Württemberg war, so heißt es in einer Chronik, "zur Revolution ganz reif und aufgelegt". Man stellte Freiheitsbäume auf und hoffte auf eine republikanische Staatsform. Umso größer war die Enttäuschung. Die halb verhungerte und demoralisierte französische Armee räuberte und brandschatzte in einer Weise, "als wenn die Hölle sich geöffnet hätte". Die Bauern und Bürger griffen zur Selbsthilfe und wehrten sich mit guerillaähnlichen Aktionen. Sie lehrten die französischen Truppen buchstäblich das Fürchten. Aber ihre republikanischen Hoffnungen waren zunächst einmal zunichte.

"Wenn die Untertanen bellen, soll der Fürst die Ohren spitzen." Das ist ein badisches Wort, und von dort her keimte 1848 neue Hoffnung. Die badische Freiheitsbewegung wirkte auch auf Württemberg. Am 17. Januar 1848 versammelten sich in Stuttgart viele Bürger und forderten demokratische Grundfreiheiten. Allerdings wartete man dann ab, was die Nationalversammlung in Frankfurt bringen würde. Doch die Abgeordneten der Paulskirche scheiterten letztlich an ihrer politischen Unerfahrenheit. Das Rumpfparlament, das sich nach Stuttgart geflüchtet hatte, wurde von württembergischen Ulanen auseinandergetrieben. Die liberale Revolution war gescheitert.

Blickt man auf diese Vorgänge zurück, so erkennt man seit den Tagen des "Armen Konrad" viel Mut, bessere Bedingungen herbeizuführen. Die Mehrheit der Menschen war nicht obrigkeitshörig. Aber es gelang auf tragische Weise nicht, das jeweilige Aufbegehren in konkrete Politik umzusetzen. Man ist geneigt, von einem deutschen Verhängnis zu sprechen.

Das heißt nun nicht, dass jedes Aufbegehren umsonst oder folgenlos gewesen wäre. Dafür gibt es Belege auch in der neueren Geschichte. Gewiss, der Generalstreik, den die Arbeiter im schwäbischen Textilort Mössingen einen Tag nach Hitlers Machtübernahme ausriefen und auch befolgten, blieb eine isolierte Aktion, signalisierte aber auch, dass nicht alle mit der Entwicklung einverstanden waren. Die erste Euthanasie-Aktion, die das NS-Regime 1940 in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb in Gang setzte, musste abgebrochen werden - nicht nur, weil der Landesbischof Wurm oder der Landrat von Münsingen ihre Stimme erhoben, sondern weil die Bevölkerung in den umliegenden Orten unruhig wurde, nachdem sie erkannt hatte, was die über dem Land stehende Rauchsäule zu bedeuten hatte.

Zur Erfolgsgeschichte des Protests gehört Wyhl in Südbaden. Als dort in den siebziger Jahren ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte, protestierten zunächst nur einige Winzer. Daraus entwickelte sich dann ein Massenprotest, der zum Abbruch des Projekts zwang. Ministerpräsident Hans Filbinger sagte später, einer seiner größten Fehler sei gewesen, die Widerstandskraft der Bevölkerung unterschätzt zu haben. Nicht von ungefähr hatten sich die Wyhler Demonstranten auf den "Armen Konrad" berufen.
Von Werner Birkenmaier
erschienen am 28.8.2010 in der Stuttgarter Zeitung

Und - wegen der Fahne: 
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundschuh-Bewegung



Ab meinem dritten Lebensjahr lebte ich dann in Stuttgart - über 11 Jahre lang. Und, ich war später noch einige Zeit dort, zum Arbeiten, und auch so. Verwandte hatte ich auch dort.
 
Das alles ist es, was trotz aller Entfernung verbindet - mit der vergangenen Zeit, mit Erinnerungen an Menschen - in Gutem wie im Schlechtem - und alles trug bei zu Erfahrungen. Und, es verbindet eben mit dem,
was auch heute geschieht.