Alles, was er einmal gelernt, gearbeitet hatte, war nun nichts mehr wert. Nachdem er die üblichen Massnahmen durchlaufen hatte, die fast nie etwas bringen, landete er in einem 1.-- Euro-Job - Abfälle auflesen. Dieser Job war - mit Verlängerung - auf ein Jahr befristet. Danach kam wieder die grosse Leere. Mindestens drei Jahre lang durfte er nun keinen 1.-- Euro-Job mehr annehmen.
Dann wurden diese Jobs sowieso eingeschränkt, fast abgeschafft. Bürgerarbeit hiess die neue Devise, aber er bekam keine. Nichts, er sollte wieder in diese Massnahmen. Er selber bewarb sich auch bei Firmen, bei Handwerksbetrieben, aber immer kamen Absagen.
Bernhard war in den Jahren im Westen nervöser geworden. Wenn er sich aufregte, zitterten seine Hände, und er kam sich noch beschämter vor, als das sowieso der Fall war.
Eine Frau eroberte er auch im Westen nicht - er war einfach zu arm, zu weit unten. Zu Hause fühlte er sich nie mehr, das war nur im Osten der Fall gewesen, dort, wo noch seine Mutter lebte.
Er war fleissig, wenn er einen Job hatte, friedlich und anständig. Es schien aber, als wäre das alles nicht sonderlich gefragt. Als er dies seinem früheren Chef gegenüber einmal erwähnte, meinte dieser: "Das Dumme ist, dass es Dutzende gibt, wie Dich".
Die Behauptungen in den Medien, dass die Arbeitslosen alle faule Säcke seien, waren also nicht wahr. Er wurde mit dieser Bemerkung seines ehemaligen Chefs trotzdem zurückgeschleudert in einen formlosen, gesichtslosen Pulk - in eine diffuse ausufernde Masse, die sich Arbeitslose nannte - fleissig, bescheiden, friedlich und anständig, darauf bedacht, mit dem eigenen, kleinen Leben klarzukommen. Ein wenig Glück erhaschen, dazuhin, das hatte er schon ausgeklammert.
Und wieder war es nichts mit einer Arbeitsstelle, die x-te Massnahme vorbei, und wieder nur Ablehnungen. Bernhard packte seine Koffer.
Nun ist er wieder im Osten, dort, wo er sein zu Hause hat, das er nicht nur so nennt, sondern wo er sich auch zu Hause fühlt. Er weiss, dass gesagt wird, dass es dort noch schlechter sei. "Das ist darum so, weil hier so viele weggegangen sind, und weiterhin weggehen," sagte er mir am Telefon. "Sonst ist nichts schlechter, denn Arbeit bekommt man im Westen ja auch fast keine."
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