Ein Freund hat mich gebeten, einen Text von ihm weiter zu leiten. Das tue ich gerne.
Khalid
Dass es immer zuerst Tote braucht, bevor etwas geht! Ich versteh das nicht. Oder kann mir das jemand erklären?
Als Mose die Israeliten aus Ägypten befreite, brauchte es zehn Plagen, bis der Pharao endlich einwilligte, das Volk der Israeliten, welche dort wie Sklaven arbeiteten, in die Freiheit ziehen zu lassen. Während den Plagen liess sich der Pharao jeweils erweichen; doch nach den Plagen kehrte Normalität ein und der Pharao tat, als sei nichts geschehen und bieb hart und liess die Israeliten doch nicht ziehen. Schliesslich schickte Gott einen Todesengel, der in der Nacht alle Erstgeborenen töten sollte. Nur die Häuser der Israeliten verschonte er, weil sie vorher ein Lamm geopfert und die Türpfosten mit Blut gekennzeichnet haben. Dadurch wurden sie verschont. Aber bei allen Übrigen war am Morgen grosse Trauer. Erst jetzt wurde der Pharao weich und liess die Israeliten wirklich gehen.
Warum, Herr Pfarrer, ist der Gott des Alten Testaments so brutal? Immer muss ich sagen: Ich weiss es nicht. Es gehört nicht zu meinem Gottesbild, dass Gott Plagen schickt, weder früher noch heute.
Dennoch: Auch ich habe geopfert: Geld! - um die erneuerbare, nichtatomare Stromproduktion zu fördern. Aber in diesen Tagen wird uns allen bewusst, dass der Todesengel mit Namen Restrisiko, falls er denn kommen sollte, keinen Bogen um die Häuser machen würde, die eine Solaranlage auf dem Dach oder etwas teureren Naturmade-Strom bezogen haben. Diese Aufteilerei in Gute und Böse ist doch ein Schwachsinn, früher genau so wie heute. Hat es denn im alten Ägypten nicht auch unschuldig Leidende und Tote gegeben? Und heute? Was nützt es, wenn die einen etwas mehr bezahlen für den Strom und die andern unerschrocken weitermachen? Entweder schaffen wir es jetzt gemeinsam, uns von der Atomkraft zu befreien oder wir leben alle weiterhin mit der Drohung des Todes. Wohl gemerkt: Dafür braucht es keinen Gott, die wirklich grossen Katastrophen sind alle von Menschen gemacht. Es braucht ein Um-denken – ein Anders-Verhalten!
Wie viele Plagen, resp. Katastrophen braucht es denn noch? Lassen sich nun die AKW Betreiber erweichen und hören sie auf das Volk oder sitzen sie die Krise aus und sind bald wieder so hart wie eh und je? Braucht es wirklich ….?
Geug jetzt, nicht Auge um Auge, nicht Zahn um Zahn! Keine Briefbomben !!! Genug jetzt! Leben wollen wir!
Markus Zürcher, Pfarrer in Münsingen